Carmelo Barba mit der Bernette b68 Airlock

Wenn der Fastelovend mit Love ends: Der Bernette b68 Testbericht

Prolog: Wenn die Overlock mitten im Fastelovend den Geist aufgibt

Stellt euch vor, Fastelovend (Karneval) steht vor der Tür und ihr seid mitten im Kostüm-Nähfieber. Natürlich nicht entspannt Wochen vorher, sondern ganz traditionell auf den allerletzten Drücker. Denn – mal ehrlich – Karneval kommt ungefähr so überraschend wie Weihnachten. Ganz plötzlich. Jedes Jahr wieder. Und der Kölsche an sich wäre natürlich nicht der Kölsche, wenn nicht für jeden Tag das passende Kostüm bereitliegen würde.

So sitze ich an einem Freitagabend da, zusammen mit einer Freundin, voller Vorfreude bei Kölsch un Klaaf, umringt von Stoffen und Schnittteilen und jeder Menge Näh-Euphorie, und möchte gerade mit der Kniebundhose loslegen — und dann passiert’s: die Overlock macht einen leisen Knall. Und das war’s. Nichts geht mehr. Aus die (Karnevals-)Maus. Von jetzt auf gleich breitet sich Panik aus. Was nun? Werden die Kostüme noch rechtzeitig fertig? Und vor allem: Wo bekomme ich jetzt so schnell Ersatz für meine Overlock her?

Die Lösung schwirrte zum Glück irgendwo schon in meinem Hinterkopf herum. Über das Portal nähmaschine4you kann man nämlich günstig und flexibel eine Nähmaschine mieten. Meine Overlock war ja nicht komplett hinüber — sie musste „nur“ zur Reparatur. Aber wie das so ist: Gerade über die Karnevalstage kann sich so etwas natürlich ziehen. Und genau darauf wollte ich mich inmitten der heißen Kostümphase wirklich nicht verlassen.

Bleibt also die Frage: Für welches Modell sollte ich mich entscheiden?

Da ich von bernette bereits die b62 und die b64 kenne und besitze, war für mich schnell klar, dass ich mir in dieser Situation keine Maschine ins Haus holen wollte, in die ich mich erst lange einarbeiten muss. Dafür fehlten mir schlicht die Zeit und ehrlich gesagt auch die Nerven.

Meine Wahl fiel deshalb ganz bewusst wieder auf eine bernette — diesmal auf die b68 Airlock. Zum einen, weil ich mir bei der Bedienung keinen kompletten Neustart zumuten wollte. Zum anderen, weil ich hoffte, mir mit der Kombination aus Cover- und Overlockfunktion die lästigen und zeitfressenden Auf- und Abbauzeiten sparen zu können.

Metadata: Hallo b68 – gut ausgestattet und erstaunlich alltagstauglich

Nachdem die bernette b68 also als Rettung in meiner kleinen Karnevals-Nähkrise eingezogen war, wollte ich natürlich erstmal wissen, mit wem ich es da eigentlich zu tun habe. Also wurde ausgepackt, geschaut, sortiert und innerlich direkt ein kleines erstes Fazit gezogen: Das fühlt sich erfreulich vertraut und alltagstauglich an – und nach einer Maschine, mit der ich auch jenseits des Karnevals warm werden könnte.

Die Ausstattung der b68 ist wirklich erfreulich umfangreich, denn im Standardzubehör vereint die Coverlock im Grunde vieles von dem, was ich an der b62 und b64 bereits schätzen gelernt habe. Dazu gehören unter anderem ein großer Anschiebetisch mit separatem Coverstich-Einsatz, eine Freiarmabdeckung, ein Auffangbehälter, eine Dekofadenführung und auch der für mich inzwischen fast schon unverzichtbare Kniehebel.

Der Kniehebel ist aus meinem Nähleben inzwischen wirklich nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile bin ich sogar an dem Punkt, an dem ich im Büro manchmal ganz automatisch das Knie anhebe, wenn ich am Rechner zwischen zwei Fenstern wechseln will. So weit ist es also schon gekommen. Wie praktisch so ein Kniehebel ist, zeigt sich oft erst in der Nähpraxis: Beide Hände bleiben am Stoff, lästiges Umgreifen entfällt, und gerade an kniffligeren Stellen arbeitet es sich deutlich entspannter. Auch der Anschiebetisch ist für mich ein echter Pluspunkt – besonders dann, wenn größere Stoffteile ruhig, sauber und kontrolliert geführt werden sollen.

Das MTC

In Köln ist das MTC seit über 30 Jahren ein schäbiger Club – bei bernette steht MTC dagegen für Micro Thread Control. Das sorgt – wie schon bei der b64 – dafür, dass sich die Schlingenbildung noch feiner auf Stoff und Garn abstimmen lässt. Gerade für mich, der es beim Nähen am liebsten unkompliziert und zügig hat, ist das ein echtes Highlight, weil man einfach schneller zu einem schönen Ergebnis kommt.

Mein persönliches Highlight unter all den Highlights ist ganz klar die Lufteinfädelung. Wenn das bei der b64 damals schon Liebe auf den ersten Klick war, dann ist sie mit der b68 direkt wieder voll entflammt. Für einen eher schlicht gestrickten Menschen wie mich ist das wirklich ein kleines Geschenk.

Bei den Nähfüßen ist die Standardausstattung der b68 allerdings eher übersichtlich: Mit dabei ist tatsächlich nur der Standard-Nähfuß. Aber ganz ehrlich: Das stört mich erstmal überhaupt nicht. Denn mit ihm kann man am Ende genau das machen, worum es eigentlich geht – nähen.

Und dann wäre da noch das kleine Zubehörfach, das für mich immer ein wenig den Charme eines echten Kleinteile-Paradieses hat. Darin finden sich unter anderem ein Schraubendreher, eine Obergreiferabdeckung, eine Pinzette sowie ein praktisches Kombi-Tool für die Nadeln, das Nadeleinfädler und Nadeleinsetzer zugleich ist. Es sind oft genau diese unscheinbaren Helfer, die beim Auspacken zunächst nur nebenbei wahrgenommen werden, im Nähalltag dann aber umso mehr geschätzt werden.

Data: Zwei Herzen und dieser kleine Aha-Moment

Dadurch, dass ich mit der b64 und der b62 schon vertraut bin, war der Einstieg mit der b68 für mich herrlich unkompliziert und erfreulich unspektakulär. Kein großes Rätselraten, kein langes Herantasten, kein vorsichtiges „Na, schauen wir mal …“, sondern einfach: hinsetzen, einfädeln, losnähen. So sind auch ziemlich schnell die ersten Projekte auf der b68 entstanden – darunter zahlreiche Hoodies und T-Shirts für den Arbeitsalltag sowie Ringelshirts, Kniebundhosen und weitere Kleidungsstücke für den Fastelovend.

In meinem Alltag muss eine Maschine nicht nur gut aussehen, sondern vor allem zuverlässig und rund laufen: Das Handling soll unkompliziert, durchdacht und stimmig sein und vor allem Lust aufs Nähen machen. Genau diese Lust aufs Nähen war einer der Hauptgründe, warum ich vor einigen Jahren auf die b64 mit Lufteinfädelung umgestiegen bin. Seitdem kann ich das Garn passend zum Stoff ganz einfach wechseln – ohne langes Nachdenken, ohne Verknoten, ohne Gefummel und ohne mir zum tausendsten Mal ein Einfädel-Video anschauen zu müssen.

Denn genau das macht die b68 für mich so spannend: In ihr schlagen gewissermaßen zwei Herzen – Overlock und Coverstitch. Je nachdem, was gerade gebraucht wird, wechselt man von der einen Funktion zur anderen. Der Umbau von Overlock auf Coverstitch ist bei der bernette b68 natürlich trotzdem ein Arbeitsschritt – aber keiner, vor dem ich mich jedes Mal drücken möchte.

Der Umbau

Wer wechseln möchte, muss also umrüsten: Messer deaktivieren, Nadeln umsetzen, Fäden neu führen, den Messerabdeckungseinsatz gegen den Coverstich-Einsatz tauschen und die Maschine passend einstellen. Für mich ist entscheidend, dass ich für diesen Wechsel nicht erst eine kleine technische Prüfung bestehen muss, bevor ich (weiter-)nähen kann. Bei der b68 sind die Schritte logisch aufgebaut, die Fadenwege farblich gut erklärt und mit etwas Routine gut machbar. Besonders angenehm finde ich auch hier die Lufteinfädelung, weil sie gerade bei den Greiferfäden viel Stress rausnimmt.

Klar: Zwei separate Maschinen sind in diesem Punkt bequemer. Ob die b68 komfortabler ist als andere Kombimaschinen, kann ich mangels Vergleich nicht beurteilen. Aber der Wechsel schreckt mich nicht ab – und genau das ist für mich bei einer Kombimaschine der entscheidende Punkt. Ich nutze den Coverstitch dadurch wirklich – statt ihn nur theoretisch an Bord zu haben und mir aus Bequemlichkeit zu denken „Ach komm, ich nähe den Saum jetzt irgendwie anders“.

Und dann gibt es noch diesen kleinen Aha-Moment, wenn man sich näher mit den Möglichkeiten der Maschine beschäftigt: Oha – da sind ja auch Kombi-Stiche! Genau solche Details machen für mich den Reiz einer Kombimaschine aus. Sie näht eben nicht nur Overlock und Coverstitch, sondern bringt noch ein paar zusätzliche Möglichkeiten mit, die beim Ausprobieren richtig Lust auf mehr machen.

Kombi-Stiche verbinden mehrere Arbeitsschritte in einer Naht: zusammennähen, versäubern und stabilisieren. Das ist besonders spannend, wenn eine Naht mehr können soll als nur hübsch aussehen – zum Beispiel bei elastischen Stoffen, Hoodies, Shirts, Sport- oder Kinderkleidung. Die Naht wird sauber, belastbar und bleibt trotzdem beweglich.

Ganz ehrlich: Die Nähte, die ich im Alltag tatsächlich nutze, lassen sich wahrscheinlich an einer Hand abzählen – auch wenn die Maschine deutlich mehr kann. Aber genau das finde ich angenehm. Die Kombi-Stiche sind dafür ein gutes Beispiel: Man braucht diese Stiche vielleicht nicht ständig, aber wenn eine Naht besonders sauber, elastisch und robust werden soll, ist es schön, sie nutzen zu können.

Epilog: Eine Maschine, mit der Mann gerne Zeit verbringt

Die bernette b68 hat es mir ehrlich gesagt ziemlich leicht gemacht, sie zu mögen. Das saubere, gleichmäßige Stichbild kenne und schätze ich bereits von der b64 und der b62 – und genau dieses vertraute Gefühl finde ich auch hier wieder: ordentlich versäuberte Kanten, schöne Säume und diesen professionellen Look, den man gerade bei Jersey, Sweat oder anderen dehnbaren Stoffen sofort sieht und liebt.

Bei der b68 kommt für mich aber noch etwas dazu: Sie vereint Overlock und Coverstitch in einer Maschine und bringt mit den Kombi-Stichen zusätzliche Möglichkeiten mit, die Lust aufs Ausprobieren machen. Nicht, weil ich jeden Stich ständig brauche – sondern weil es schön ist zu wissen, dass sie da sind.

Am Ende zählt für mich aber vor allem das Gefühl beim Nähen. Wenn ein fertiges Teil vor mir liegt, die Nähte sauber aussehen, die Säume ordentlich fallen und ich merke: Ja, genau so sollte es werden. Dieser kleine Näh-Glücksmoment. Die b68 unterstützt mich dabei auf eine angenehm verlässliche Weise: kraftvoll, gleichmäßig, nicht hektisch, nicht zickig, nicht unnötig kompliziert – sondern schön souverän. Im Nähalltag ist mir das fast mehr wert als jede lange Liste an Funktionen.

Und jetzt mal ehrlich: Nach so viel Lobhudelei fiel es mir wirklich schwer, die Coverlock wieder einzupacken und mich von ihr zu trennen. Natürlich habe ich nach Gründen dafür und dagegen gesucht. Eine Maschine statt zwei. Zusätzliche Kombi-Stiche, die mich wirklich reizen. Ein Umbau, der machbar bleibt. Und dieses schöne Gefühl, Overlock und Coverstitch in einer Maschine vereint zu haben. Am Ende überwogen die Gründe dafür ziemlich deutlich.

Behalten oder nicht? Für mich ein eindeutiges „Ja“. Auch wenn ich bereits die b64 und die b62 hier stehen habe, bringt die b68 noch einmal etwas Eigenes mit – vor allem dieses schöne Gefühl, Overlock und Coverstitch in einer Maschine vereint zu haben. Sie ist für mich nicht nur technisch spannend, sondern vor allem eine Maschine, mit der man gerne Zeit verbringt. Eine, bei der man nach dem ersten richtigen Kennenlernen denkt: Ja, ich glaube, wir zwei könnten gut zusammenpassen.

„Kumm un sing mich noh Hus, maach et wärm in dä Bruss“ – was Kasalla in diesem kölschen Lied so treffend über Sehnsucht, Geborgenheit und Ankommen singen, schafft die b68 auf ihre Weise fürs Nähherz: Sie fühlt sich nicht wie irgendeine weitere Maschine an, sondern wie eine, die ihren Platz gefunden hat. Und genau das ist sie jetzt auch: angekommen. Hier bei mir.

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Wer schreibt hier?

Carmelo näht nicht nur Karnevalskostüme (aber schon viele …) und teilt sein Nähwissen in seiner Heimat in Kursen mit anderen Nähbegeisterten. 

Er ist ein Bernette Ultra: Bei ihm stehen die b79, b62, b64 und jetzt auch die b68

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