Warum sollte man immer das passende Stickmusterformat verwenden?

Wenn beim Sticken unerklärliche Fehler passieren, kann das am falschen Stickmusterformat liegen. Die Stickmaschine schneidet Sprungstiche nicht oder schneidet grundlos, Farben verschwinden, es entstehen Lücken in Füllflächen usw. Es gibt viele Möglichkeiten, was passieren kann und ganz oft ist dann die Lösung:

Man verwendet das Format, das speziell für die eigene Stickmaschine erstellt wurde.

Meine Stickmaschine ist doch multiformatfähig, oder?

Einige denken jetzt vielleicht „Das betrifft mich nicht, meine Stickmaschine kann viele Formate verarbeiten.“

Ja, sie kann. Aber wie bei allen Alternativen können halt doch Fehler auftreten. Denn es kommt nicht nur auf die Endung der Datei an, sondern auch darauf, mit welcher Software die Datei ursprünglich erstellt wurde. Und ob sie von der Softwaredatei direkt exportiert wurde oder nur von einem anderen Format aus konvertiert wurde.

Um es nicht zu kompliziert zu machen, kann man sich das wie bei der Muttersprache und Fremdsprachen vorstellen. Jeder Mensch versteht doch komplexe Inhalte am schnellsten in der Muttersprache. In einer Fremdsprache dauert es länger und beim Übersetzen können Inhalte verloren gehen.

Beispiele

Zum besseren Verständnis haben wir hier mal eine unserer Dateien auf verschiedene Arten geladen. Wir haben eine Softwaredatei aus der Bernina V9 in PES, VP3 und EXP konvertiert und in die Pfaff Creative Expression 750 geladen.

Auf den ersten Blick zu erkennen: In der Mitte erscheint gar kein Vorschaubild.

Derzeit lesen neue Modelle von Pfaff keine PES-Dateien, die mit Bernina und Versionsnummer 10.0 für PES erstellt wurden.

 

Und ein Bild ist viel zu bunt. Das ist die Besonderheit der EXP, wenn die Zusatzdateien fehlen oder, wie hier, von der anderen Marke nicht gelesen werden.

Wir waren von den falschen Farben so abgelenkt, dass uns nicht mal aufgefallen ist, dass das Bild in sich verschoben ist.

Fiel uns tatsächlich erst beim Sticken auf. Zur Sicherheit haben wir die Datei nochmal am Rechner kontrolliert.

Dort ist sie richtig, der Fehler muss also beim Übertragen vom Stick in die Maschine passieren. Wir haben nochmal neu kopiert und es hat sich wiederholt. Also an sich kein Problem der Konvertierung am Rechner, aber mit der passenden Datei (in diesem Fall VP3 für Pfaff) wäre das eben nicht passiert.

Neben der Verschiebung gibt es allerdings noch weitere Probleme. Hier die Datei, gestickt in VP3 mit der Pfaff Creative Expression 750.

Und zum Vergleich die EXP. Schaut man sich den rechten Kaktus genauer an, sieht man (neben der Verschiebung) kleine Unebenheiten, die es in der VP3 nicht gibt. Das liegt am Stich. Die Kakteen bestehen aus einem Kettenstich aus der Bernina Designer Plus V9.

Wird die Softwaredatei (genaueres dazu in diesem Beitrag) umgewandelt, können gerade bei speziellen Stichen Fehler entstehen.

Auch gut zu erkennen an der Stichzahl beim Export:

  • Softwaredatei 26.392
  • EXP 27.910
  • VP3 26.268
  • PES 26.403

Eigentlich sollte die Umwandlung von der Softwaredatei in die Maschinendatei bei einer Software von Bernina ja in EXP besser funktionieren. Aber die Pfaff scheint mit dem Lesen der EXP größere Probleme zu haben.

Das war aber hier noch nicht alles. Die EXP sorgt dafür, dass die Stickmaschine Farben anders beendet. Sie fährt am Ende einer Farbe nicht zum Startpunkt der nächsten Farbe, sondern bleibt am Endpunkt der vorherigen stehen. Startet man für die nächste Farbe, sticht die Maschine einmal ein und fährt dann zum nächsten Objekt. So entstehen unnötige Spannstiche. Als PES werden manche Sprungstiche nicht geschnitten.

Wie oben erwähnt, werden manche PES von Pfaff gerade nicht gelesen. Wenn man weiß, was man in der Software einstellen muss, kann man dieses Problem lösen. Aber auch als PES verarbeitet unsere Expression die Datei nicht optimal und am Ende hat man zwei eingestickte Spannfäden. Stickt man mit der VP3, passiert das nicht.

Welche Formate gibt es überhaupt?

Es gibt jede Menge Stickdateiformate, daher hier nur ein Auszug der aktuell verbreiteten Formate:

  • .VP3
  • .VIP
  • .HUS
  • .EXP
  • .PES
  • .JEF
  • .JEF+
  • .DST
  • .XXX

Welches Format braucht meine Stickmaschine?

  • Bernette: EXP
  • Bernina: EXP
  • Brother: PES
  • Husqvarna Viking: VP3 (älteres Format HUS)
  • Janome: JEF, JEF+
  • Pfaff: VP3 (älteres Format VIP)
  • Singer: XXX

Wie erkenne ich, welche Datei im richtigen Format ist?

Das Format erkennt man an der Endung der Datei, also dem, was hinter dem Punkt steht.

Bei manchen Stickmaschinen sieht man allerdings nicht, in welchem Format die Datei geladen wird. Dann muss man einfach vorher beim Übertragen schon aussortieren. Laden Sie also am besten nur das geeignete Format auf den USB-Stick.

Reicht es dann, wenn ich die Datei einfach mit einer Software umwandle?

Jein. Das macht es meist nur noch schlimmer. Wenn Sie die Datei nur als PES haben, aber VP3 brauchen, hilft es nicht, wenn die Datei in der Software konvertiert wird. Denn die Fehler werden mit umgewandelt.

In diesem Fall wäre es besser, sich die Datei vom Ersteller nochmal im richtigen Format zu holen.

Besonderheit EXP-Format

Bei EXP wird die Farbinformation separat exportiert, daher muss man immer die .INF und die BMP zusammen mit der EXP auf den Stick laden.

Hier sehen Sie die Datei auf dem ersten Bild als EXP und PES. Auf dem Stick befindet sich dazu auch die INF und BMP. Löscht man diese beiden, bekommt man die Ansicht auf dem zweiten Bild.

Es hilft auch nicht, die EXP in etwas anderes zu konvertieren, wenn die inf.-Datei nicht vorliegt. Alternativ kommt eine Bernina aber sehr gut mit PES zurecht und hier werden die Farben mit angezeigt. Sie sind zwar nicht absolut identisch, was an den verschiedenen Farbtabellen der Hersteller liegt, aber doch so gut, dass man auch ohne Farbübersicht sticken könnte.

Besonderheit VP4

Für Stickmaschinen von Pfaff und Husqvarna Viking gibt es neben VP3 auch noch das Format VP4. Dabei handelt es sich genau genommen und ein Softwareformat, das ohne Konvertierung an die Stickmaschine übertragen werden kann. Allerdings ausschließlich per Wlan und direkt von MySewnet/Creativate an eine dafür geeignete Stickmaschine. Sobald VP4 auf externe Geräte (wie einen USB-Stick) kopiert wird, wird es selbst von den dafür geeignete Maschinen nicht mehr gelesen.

Welches Format verwende ich denn jetzt am besten?

Es ist ein komplexes Thema, das auch unter Profis immer wieder mal diskutiert wird. Sie müssen sich allerdings nicht unbedingt weiter damit beschäftigen. Behalten Sie einfach den Vergleich mit der Muttersprache im Hinterkopf und erleichtern Sie Ihrer Stickmaschine die Verarbeitung der Daten, indem Sie ihr, wann immer möglich, die Datei im passenden Format zukommen lassen.

Sie möchten noch weiter in dieses Thema eintauchen? Dann hören Sie doch mal in unsere Podcastfolge dazu rein:

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