Bernina B480 im Test

SandyB: Bernina B480 im Test

Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit …

… welche Nähmaschine würdet ihr mit auf die Reise nehmen?

Diese Frage habe ich mir spätestens nach meinem zweiten Nähkurs gestellt.

Beim ersten Kurs hatte ich die Möglichkeit, eine Nähmaschine vor Ort zu benutzen. Das war zunächst praktisch, allerdings musste ich mich erst mit der unbekannten Maschine vertraut machen. Bedienung, Einstellungen und Funktionen waren anders als gewohnt und schon war wertvolle Nähzeit verloren.

Beim zweiten Mal wollte ich es besser machen und nahm meine eigene Bernina B770 mit. Allerdings ist die B770 nicht gerade eine Maschine, die man mal eben unter den Arm klemmt. Der Transport war entsprechend mühsam.

Und dann kam die Überraschung: Direkt vor der ersten Naht stellte ich fest, dass ich wichtiges Zubehör vergessen hatte. Da ich meine B770 momentan überwiegend zum Sticken nutze, hatte ich die Stichplatte nicht gewechselt. Mit der eingesetzten Geradstichplatte war das Versäubern des Stoffes nicht möglich.

Also musste ich wieder auf eine Kursmaschine ausweichen

Natürlich war es erneut eine andere Maschine. Das bedeutete: wieder einarbeiten, wieder Einstellungen suchen und wieder Zeit verlieren, wieder Frust. Meine schwere Nähmaschine hatte ich völlig umsonst zu Hause abgebaut und zum Kurs geschleppt.

Spätestens da stand mein Entschluss fest: Ich brauche eine kleine und leichte Nähmaschine, die ich unkompliziert transportieren kann. Eine Maschine, mit der ich im Kurs nicht erst fremde Bedienkonzepte kennenlernen muss und bei der viele Abläufe ganz selbstverständlich und routiniert funktionieren.

Aber einfach irgendeine kleine Maschine sollte es nicht sein. Da ich inzwischen mit meinen Berninas (B770 QE Plus, B990 und L890) ziemlich verwöhnt bin, wollte ich auch bei einer kompakten Maschine möglichst wenig auf den gewohnten Komfort verzichten.

Auf der Suche nach der perfekten Reisemaschine

Bei meiner Recherche kamen verschiedene Hersteller und Modelle infrage. Eine Bernette hätte mir gut gefallen, ebenso eine leichte Bernina aus der 3er-Serie.

Allerdings waren mir einige Punkte besonders wichtig: eine komfortable Bedienung, möglichst viele Funktionen, eine Stichbreite von 9 mm, der Kniehebel und vor allem die Kompatibilität mit meinem bereits vorhandenen Bernina-Zubehör und meinen vielen bereits bespulten Unterfadenspulen in allen erdenklichen Farben zum Nähen und Sticken.

Immer wieder landete ich deshalb bei der Bernina B480.

Und genau diese Maschine durfte schließlich bei mir einziehen; zunächst mit dem Auftrag, sich als Reisemaschine und Kursbegleiterin zu bewähren.

Erster Eindruck: klein, handlich und erstaunlich kompakt

Schon beim Eintreffen der Maschine fiel mir der kleine Karton positiv auf.

Beim Auspacken des Anschiebetisches, er ist etwas größer als DIN A4, kam bereits das erste „Ach, wie süß!“. Beim Auspacken der eigentlichen Maschine folgte gleich das zweite.

Die B480 ist tatsächlich erstaunlich handlich.

Gerade im Vergleich zu meinen großen Berninas ist der Größenunterschied deutlich spürbar. Gleichzeitig wirkt die Maschine nicht wie ein Spielzeug, sondern wie eine vollwertige Nähmaschine.

Und genau diesen Eindruck wollte ich im Praxistest überprüfen.

Zubehör: klein verpackt, aber gut ausgestattet

Zum Lieferumfang gehört einiges an Zubehör. Dazu zählen unter anderem:

  • programmierbares Fußpedal,
  • Kniehebel,
  • mehrere Nähfüße,
  • Jumbo-Spulen,
  • Staubschutzhaube,
  • und das berühmte Bernina-Zubehörschränkchen.

Besonders praktisch finde ich, dass sich das Schränkchen auf der Rückseite der Maschine magnetisch befestigen lässt. So kann ich das Zubehör sehr unkompliziert gemeinsam mit der Maschine zum Nähkurs transportieren. Damit gehört das lästige „Was muss ich heute eigentlich alles mitnehmen?“ weitgehend der Vergangenheit an.

Unterwegs mit dem Bernina Trolley

Für den sicheren Transport zum Kurs habe ich mir zusätzlich den Bernina Trolley L bestellt.

Maschine, Zubehör und sogar mein jeweiliges Projektmaterial passen perfekt hinein und sind während des Transports gut geschützt.

Damit habe ich für den Kurs tatsächlich alles dabei, was ich brauche, ohne mehrere Taschen und Kisten schleppen zu müssen.

Die B480 im Praxistest

Während meiner Testphase habe ich die Maschine für unterschiedliche Projekte und Techniken eingesetzt.

Vertraute Bedienung

Ein großer Pluspunkt für mich ist die Menüführung.

Sie ähnelt der Bedienung meiner B770 QE Plus und war mir deshalb sofort vertraut. Ich musste mich nicht erst lange in ein völlig neues Bedienkonzept einarbeiten, so dass ich praktisch sofort los nähen konnte.

Das war schließlich einer der Hauptgründe, warum ich überhaupt eine eigene Maschine zum Kurs mitnehmen wollte.

Obertransportfuß (optional)

Der Obertransportfuß ist ein praktisches Zubehör, das ich schon habe und erweitert die Einsatzmöglichkeiten der Maschine.

Gerade bei Stofflagen, die sich beim Nähen gerne verschieben, ist er eine wertvolle Unterstützung.

Mehrfach-Garnrollenhalter (optional)

Auch der Mehrfach–Garnrollenhalter lässt sich problemlos an der Maschine befestigen. Unterwegs würde ich ihn zwar nicht mitnehmen, aber zu Hause ist er sehr praktisch.

Kunstleder? Kein Problem!

Als eines der Projekte habe ich eine Pouch aus Kunstleder genäht.

Mehrere Lagen und dickere Stellen an den Nahtzugaben schafft die B480 perfekt (Transparenter Nähfuß und Antihaft-Fuß optional).

Auch FPP macht Spaß

Das Nähen auf Papier, Foundation Paper Piecing, kurz FPP, macht mit der B480 richtig Spaß. Die präzise Steuerung und die vertraute Bedienung machen die Maschine auch für Patchworkarbeiten interessant.

Freihandquilten mit BSR (optional)

Und sogar Freihandquilten mit dem BSR ist mit der B480 möglich. Für Karten oder kleinere Projekte klappt das sehr gut, für sehr große Projekte würde ich aber eher meine große Maschine nehmen.

Was könnte besser sein?

So überzeugend die B480 für mich ist, im Test sind mir auch einige kleinere Punkte aufgefallen.

Nähfuß senken

Ich weiß nicht, wie oft mir dieses Symbol für das Absenken des Nähfußes angezeigt wurde.

Bei meinen anderen Maschinen geht das automatisch. Wer diesen Komfort gewohnt ist, bemerkt den zusätzlichen Handgriff natürlich.

Für mich ist das allerdings eher eine kleine Umgewöhnung als ein echter Nachteil.

Die Nadelbefestigung

Anfangs fiel mir das feste Anziehen der Nadelschraube etwas schwer.

Ich habe daraufhin die Nadelschraube meiner B770 QE Plus an der B480 ausprobiert und das funktioniert mit dem kleinen grauen, mitgelieferten Schraubendreher der B770 QE Plus problemlos.

Das Problem ließ sich also schnell lösen.

Der richtige Nähfuß

Im Display zeigt die B480 die für den gewählten Stich geeigneten Nähfüsse an. Die Maschine erkennt automatisch, ob der Nähfuß für 5 mm oder 9 mm Stichbreite geeignet ist und passt selbst die maximale Stichbreite an.

Was mir im Vergleich zu meinen größeren Maschinen fehlt: Wenn ich bewusst einen anderen Nähfuß als den Favoriten (den mit Stern) verwenden möchte, kann ich diesen nicht entsprechend im Display auswählen.

Außerdem warnt die Maschine nicht, wenn ein ungeeigneter Fuß eingesetzt wurde oder wenn die Nadel beim Reißverschlussfuß mittig positioniert ist.

Das musste meine Nadel einmal schmerzlich erfahren: Ich hatte die Nadelposition nach links verschoben, um näher an einer bestimmten Stelle nähen zu können. Der verwendete Nähfuß ließ diese Nadelposition allerdings nicht zu und die Nadel kollidierte mit diesem. Das war ein guter Reminder, immer auch selbst darauf zu achten, ob der verwendete Nähfuß mit der Stichwahl und der Nadelposition zusammenpasst.

Meine Highlights

Das gefällt mir an der B480 besonders:

Viele Einsatzmöglichkeiten

Von einfachen Näharbeiten über Kunstleder und FPP bis hin zum Freihandquilten mit BSR reicht das Spektrum erstaunlich weit.

Vertraute Menüführung

Komfortable Bedienung mit elektronischer Fadenschere, automatischem Vernähen etc.
Wer bereits mit einer größeren Bernina arbeitet, findet sich schnell zurecht.

B9-Greifer mit Jumbo-Spulen und kompatible Nähfüße

Die großen Spulen passen zu meinem vorhandenen Bernina-System und alle meine bereits vorhandenen Nähfüße sind kompatibel.

9 mm Stichbreite

Die große Stichbreite bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten und ist für mich ein wichtiges Kriterium.

Kniehebel

Für mich ein absolutes Highlight. Gerade weil ich den Kniehebel von meinen anderen Berninas gewohnt bin, möchte ich auch unterwegs nicht darauf verzichten.

Farbiger Touchscreen

Die Bedienung ist übersichtlich und erinnert stark an die größeren Bernina-Modelle.

Kompakte Größe

Der wichtigste Punkt für meinen persönlichen Einsatzzweck: Die B480 lässt sich tatsächlich unkompliziert transportieren.

Fazit: Kleine Maschine, großer Komfort

Die B480 entspricht in vollem Umfang meinen Erwartungen.

Was mir besonders gefällt, ist das Konzept einer „kompakten Komfortmaschine“. Für mich ist sie kein echtes Downgrade gegenüber meinen großen Berninas, sondern vielmehr eine flexible Ergänzung.

Ich bekomme viele der Funktionen und den Bedienkomfort, den ich von Bernina gewohnt bin, und das verpackt in einer Maschine, die ich tatsächlich inclusive Zubehör und Projektmaterial problemlos zu einem Nähkurs mitnehmen kann.

Und dann ist da noch ein ganz praktischer Vorteil: Die B480 hat sich nicht nur unterwegs bewährt.

Ich habe sie auch zu Hause immer wieder gerne genutzt, wenn ich schnell an den Freiarm wollte. Bei der B770 müsste ich dafür zunächst das Stickmodul abnehmen und den Fuß wechseln. Die B990 müsste ich im RMF-Tisch hochfahren. Beides geht zwar schnell, aber mit der B480 geht es eben noch unkomplizierter.

Für wen eignet sich die B480?

Als Reisemaschine:

Für mich ist die B480 dafür hervorragend geeignet. Sie ist kompakt, gut transportierbar und bietet trotzdem einen erstaunlich großen Funktionsumfang.

Als Zweitmaschine:

Wer bereits eine große Bernina besitzt und eine kleinere, flexible Ergänzung sucht, bekommt eine Maschine, die sich nicht wie ein Kompromiss anfühlt.

Für Einsteiger:

Auch als komfortable Einstiegsmaschine kann ich mir die B480 sehr gut vorstellen. Nähberater, On screen Hilfe, Tutorial Nähen: Die übersichtliche Bedienung, die integrierte Hilfefunktion mit kurzen Videos und der Geschwindigkeitsregler erleichtern den Einstieg.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, vorhandenes Zubehör weiterzuverwenden. Wer später auf eine größere Maschine umsteigen möchte, kann damit auf bereits vorhandenes Zubehör zurückgreifen.

Mein persönliches Fazit

Die B480 hat meinen Test bestanden.

Sie ist klein genug, um sie wirklich mitzunehmen, aber gleichzeitig groß genug, dass ich beim Nähen nicht das Gefühl habe, auf wesentlichen Komfort verzichten zu müssen.

Für mich ist gerade diese Kombination aus kompakter Bauweise und den vielen Möglichkeiten ein großer Pluspunkt. Die Maschine fühlt sich dadurch eben nicht wie eine reine „Reisemaschine“ mit abgespeckter Ausstattung an.

Die B480 wird deshalb definitiv hierbleiben und mich in Zukunft zu meinen Nähkursen begleiten.

Und nach meinen bisherigen Erfahrungen lautet meine Antwort auf die Frage „Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit …?“ ganz eindeutig:

Meine Bernina B480.

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