Wenn Patchwork-Blöcke am Ende nicht sauber zusammenpassen, liegt das sehr oft nicht am Zuschnitt, sondern an der Nahtzugabe. Ein Hauch zu breit, ein Hauch zu knapp und schon summiert sich das über viele Nähte. Genau deshalb lohnt es sich, die 1/4″ (viertel Inch) Naht an deiner Nähmaschine einmal ganz bewusst einzustellen und zu testen. Ich zeige dir hier am Beispiel der Janome MC1000 Schritt für Schritt, welcher Fuß dafür sinnvoll ist, welche Stiche Janome dafür vorsieht, wie du die Naht kontrollierst und wie ich die Nahtzugabe anschließend am liebsten presse.
Im Patchwork nähst Du immer mit einem Geradstich. Viele Janome-Modelle haben eigene Patchwork-Stiche. Du kannst aber auch den normalen Geradstich als Ausgangpunkt nehmen, und damit Deine Einstellungen vornehmen. Ich werde auf beide Möglichkeiten eingehen. Egal welche Kombination aus Stich und Nähfuß es am Ende wird: Bleibe für das gesamte Projekt bei genau diesen Einstellungen, dann passen Deine Nahtpunkte auch aufeinander.
Welche Janome-Nähfüße gibt es für die 1/4″-Naht?
Der Klassiker ist der 1/4″-Patchworkfuß O. Er hat eine Führung, an der du die Stoffkante entlanglaufen lässt. Genau das macht ihn gerade am Anfang so angenehm, weil du nicht ständig auf die Stichplatte schielen musst. Bei vielen Modellen gehört dieser Fuß sogar schon zum Standardzubehör.
Für viele 9-mm-Maschinen gibt es außerdem den transparenten 1/4″-Patchworkfuß OM. Den finde ich vor allem dann gut, wenn du freie Sicht auf die Naht und die Stoffkante haben möchtest. Diesen Fuß verwendest Du mit der Geradstichplatte und führst den Stoff an der Füßchenkante entlang.
Wichtig ist noch: Nicht jeder Janome-Fuß passt an jede Janome-Maschine. Gerade bei OM, OD und HP lohnt sich immer ein Blick in die Zubehörsuche deines Modells beim nähPark:
Patchworkfüße anderer Hersteller
1/4-Inch-Füße gibt es für verschiedene Hersteller und Modelle, den passenden findet man besten mit der Zubehörsuche. Hier nur ein paar Beispiele:
Kann ich mich an der Stichplatte orientieren?
Auf der Stichplatte sind Linien für verschiedene Inch Abstände eingezeichnet. Ich persönlich finde die eher verwirrend als hilfreich …
Es sind Inch-Linien in Achtel Abständen eingezeichnet, und selbst wenn man mit den Inch-Maßen vertraut ist, muss man eine Weile suchen, bis man die korrekte Linie für ¼“ findet. Deswegen rate ich Dir davon ab. Finde liebe die richtige Einstellung mit Deinem Standard-Nähfuß und orientiere Dich an der Füßchenkante.
Kurzer Ausflug in die Welt des Bügelns
Bevor wir nun an den verschiedenen Stellrädchen drehen, noch ein Wort zum Bügeln der Nahtzugabe.
Im Patchwork solltest Du die Nahtzugabe immer „pressen“ und nicht „bügeln“ (aus dem Englischen: „to press“ und „to iron“).
Bügeln ist das, was Du z.B. bei Kleidung machst. Du schiebst das Bügeleisen mit ein wenig Druck auf dem Stoff hin und her, mal mit Dampf, mal mit ein wenig aufgesprühtem Wasser, damit es wirklich glatt wird.
Nahtzugaben im Patchwork wollen mit ein wenig mehr Bedacht „gepresst“ werden, sonst wehren sie sich.
Pressen bedeutet, dass Du das Bügeleisen mit Druck nur aufsetzt und wenn Du es versetzen willst, immer wieder vom Stoff abhebst. Du schiebst das Bügeleisen nie mit Druck auf der Nahtzugabe. Für das Versetzen des Bügeleisens reicht es, wenn Du es wenige Zentimeter anhebst und neu aufsetzt.
Solltest Du mit Dampf bügeln wollen, kannst Du das natürlich. Dann solltest Du aber bei jeder Naht Dampf benutzen, damit die Stoffe gleichmäßig eingehen. Mit Wasser besprühen und anschließend bügeln würde ich während des Nahprozesses nicht machen. Das hält unnötig auf.
Wie messe ich nach, ob meine Naht wirklich 1/4″ ist?
Ich würde es immer so machen: Zuerst Deinen Nähfuß montieren. Beim Fuß O führst du die Stoffkante an der Führung entlang. Wenn Du mit dem Standard-Nähfuß nähst, führst Du den Stoff an der Füßchenkante entlang.
Danach den Patchworkstich für 1/4″ auswählen. Bei der MC1000 ist das unter „Quilt“ Stich Nr. 1. Die Nadelposition ist hier automatisch bei 3,5 und die Stichlänge wird auf 1,8 eingestellt. Du kannst auch den Geradstich auswählen, wenn deine Maschine keinen Patchwork-Stich hat und die Stichlänge manuell verkürzen.
Für den Test schneidest du drei Streifen mit 1 ½“ Breite zu und nähst sie mit dem von dir eingestellten Stich zusammen.
Presse zuerst die frisch genähte Naht kurz so, wie sie genäht wurde (also von links, die Stoffe weiterhin rechts auf rechts). Damit “setzt” sich die Naht. Das machst du immer, egal wie du im Folgenden die Nahtzugaben pressen wirst.
Nahtzugabe auf oder zur Seite bügeln?
Danach hast du zwei Möglichkeiten die Nahtzugabe zu pressen und es gibt hier kein richtig oder falsch. Es kommt darauf an, was dein Block später können muss. Mal werden Nähte offen gepresst, um Volumen und Durchscheinen zu reduzieren, wenn viele Lagen aufeinandertreffen oder wenn dunkle Nahtzugaben unter hellen Stoffen später nicht durchscheinen sollen. Auf eine Seite pressen ist prima, wenn du stabile Nähte und gut ineinandergreifende Kreuzungen möchtest. Das ist bei klassischem Patchwork oft sehr angenehm.
Für deinen Test ist nun also wichtig, dass du die Nahtzugaben so bügelst, wie du es immer machst oder für das nächste Projekt vorhast. Der umgelegte Stoff an der Naht „frisst“ immer etwas und verändert damit auch die Einstellungen der Nadelposition.
Wenn ein Schnittmuster ausdrücklich empfiehlt, die Nähte zur Seite zu bügeln, du deine Nahtzugabe aber bisher immer mit aufgebügelten Nähten getestet hast, solltest du den Test einmal mit zur Seite gebügelten Nahtzugaben wiederholen.
So testest du nicht nur die Theorie, sondern genau die Kombination aus Maschine, Fuß, Faden, Stoff und Bügelverhalten, mit der du wirklich arbeitest.
Für meinen Test habe ich die Nahtzugaben aufgebügelt. Dafür presse ich sie erst von links mit den Fingern auseinander, und presse dann das Bügeleisen auf das Nahtstück.
Messen und Einstellungen anpassen
Zurück zu unserem Probeteil: Du misst zuerst die gesamte Einheit von der rechten Seite. Ist deine Nahtzugabe korrekt, misst die zusammengenähte Einheit 3 ½“ und der mittlere Streifen ist 1″ breit. Ist die Einheit zu schmal, war deine Nahtzugabe zu groß. Ist sie zu breit, war sie zu knapp.
Für meinen Test habe ich zuerst den Fuß O mit dem ¼“ Stich ausprobiert. Hier sieht man recht deutlich, dass der mittlere Streifen zu schmal ist.
Jetzt wird also die Nadelposition feinjustiert: Verstelle die Nadel entsprechend deines Ergebnisses nach links oder rechts. Anschließend nähst du wieder drei neue Streifen zusammen, presst sie auf die gleiche Art wie vorher und misst das Ergebnis von der rechten Seite. Bei mir war das dann die Nadelposition 4.0 mit einem viel besseren Ergebnis:
Also habe ich die Nadelposition auf 5.0 gestellt. Das Ergebnis war etwas besser, aber ich habe gemerkt, dass ich das Nahtstück nicht so gerade an der Füßchenkante entlanggeführt habe, wie man es beim Patchwork-Fuß durch die Führung automatisch macht. Entsprechend „schief“ ist die Naht. Unten passt es, weiter oben weicht es wieder ab.
Nun nähe ich lange genug um zu wissen, dass die Naht an einem anderen Tag vielleicht anders ausgefallen wäre (ruhigere Hände, anderer Stoff). Trotzdem habe ich mich mit dem ¼“ Fuß viel sicherer gefühlt und würde für das nächste Projekt den Fuß O vorziehen.
Jetzt notierst du dir die Kombination, die zu den besten Ergebnissen geführt hat: Nähfuß, Stich, Nadelposition, Bügeln der Nahtzugabe. So kannst du jederzeit wieder einsteigen, und musst nicht jedes Mal von vorne anfangen.
Friederike ist die zentrale Anlaufstelle der Nähgang und zeigt privat ihre Werke auf Instagram als piecestopatch. Sie sehen Sie auch immer wieder mal bei unserer Online-Hausmesse.
Sie näht mit einer Janome MC6700P und hat dazu als Zweit- und Stickmaschine die Janome MC1000.

Was bedeutet füßchenbreit?


Eine Antwort auf „Piecestopatch: Die 1/4 Inch Naht“
Man wird alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu! Danke Friederike für diesen Beitrag.