Kennst du das Gefühl, dass man vor diesen offenen Nähfüßen sitzt und sich fragt: Welcher Fuß ist eigentlich wofür gedacht und worin unterscheiden sie sich denn genau?
Gerade bei Pfaff sehen Applikationsfuß, Candlewickingfuß und Sewing-Star-Fuß auf den ersten Blick ähnlich aus – nämlich vorne weiter offen als andere Nähfüße. In der Praxis zeigen sie dann aber doch deutliche Unterschiede.
Was sie aber alle drei gemeinsam haben:
- Sie sind für das Pfaff IDT-System konstruiert und bieten somit den optimalen Stofftransport von oben & unten.
- Beim Nähen an Maschinen mit Laserlinienführung ist es immer von Vorteil einen offenen Nähfuß zu verwenden, weil man hierbei einen viel besseren Blick auf die Laserlinie hat.
Beispiel Modelle mit Laserlinie: Pfaff Expression 725 und 750.
In diesem Beitrag erkläre ich die Unterschiede und es wird ersichtlich, wann welcher Fuß am besten genutzt wird.
Mir stellten sich früher nämlich folgende Fragen:
- Muss ich denn wirklich alle 3 Füßchen haben?
- Kann ich nicht mit einem Füßchen alle Arbeiten ausführen?
- Reichen nicht auch die Füßchen aus dem Lieferumfang der Maschine?
Auf diese Fragen gehe ich ganz zum Schluss ein, wenn ich die Füßchen einzeln vorgestellt habe.
Ich arbeite mit der Pfaff QE 720 und Pfaff QE 725, aber die Handhabung der hier genannten Füße ist an allen weiteren Pfaff-Modellen identisch.
Im Folgenden geht es um diese Füßchen:
Links: Offener Applikationsfuß
Mitte: Candlewickingfuß
Rechts: Sewing Star Fuß
Schauen wir uns die Füßchen zunächst noch von unten an:
Links: Offener Applikationsfuß
Mitte: Candlewickingfuß
Rechts: Sewing Star Fuß
Der Applikationsfuß (links) ist nahezu flach und bietet perfekte Sicht auf Nadel, Faden und den Zierstich.
Der Sewing-Star-Fuß (Mitte) kombiniert eine flache Ausfräsung und einen kleinen Querbügel an der Vorderseite, um den Stoff zu stabilisieren und ist somit ideal für breitere Dekore & Maxistiche.
Der Candlewickingfuß (rechts) besitzt eine deutlich ausgeprägte, tiefe Rille, damit voluminöse Stiche (Candlewickingstiche) ungehindert unter dem Fuß durchgeführt werden.
Gehen wir weiter ins Detail:
Offener Applikationsfuß
Auch Open Appliqué Foot genannt. Diesen gibt es auch als durchsichtige Kunststoffvariante.
Die Führungsrinne an der Unterseite des Füßchens ist ca. einen halben Millimeter hoch und ist somit speziell für Applikationen und kleine flache Zierstiche konstruiert.
Auch bei filigranen Zierstichen ist der offene Applikationsfuß ideal.
Der Applikationsfuß ist klar auf Genauigkeit ausgelegt, bietet jedoch weniger Stoffstabilisierung als beispielsweise der Sewing-Star-Fuß.
Im Vergleich zwischen offenem Applikationsfuß und Sewing Star Fuß wird klar, warum letzterer mehr Stabilisierung bietet.
Er hat nicht nur einen kleinen Querbügel vorne, sondern ist insgesamt auch etwas breiter und länger.
Der Unterscheid scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich groß, aber legt man die Füßchen übereinander, sieht man den Längen- und Breitenunterschied und berechnet man dann noch die Fläche, wird deutlich, dass der Sewing Star Fuß 33% mehr Fläche bietet, die somit mehr Fußdruck auf das Material ausübt.
Sewing Star Fuß
Der Sewing-Star-Fuß bietet nicht nur eine freie Sicht auf Nadel, Faden und Stich, sondern sorgt durch seine etwas größere Bauform und den kleinen Querbügel an der Vorderseite auch für eine verbesserte Stabilisierung des Materials.
Gerade beim Nähen von Maxistichen zeigt sich dieser Vorteil deutlich, da sich der Stoff durch den Quertransport, trotz Stickvlies, leicht zusammenziehen oder wellen kann.
Der Sewing-Star-Fuß wirkt diesem Effekt entgegen, indem der Querbügel und auch die breitere/größere Bauform zusätzlich Stofffläche niederdrückt und der Fußdruck gleichmäßiger verteilt wird als beim offenen Applikationsfuß.
Candlewickingfuß
Dieses Füßchen besitzt eine tiefere Ausfräsung auf der Unterseite. Mit ca. 2 mm Höhe schafft diese Rinne Platz für erhabene/dicke Zierstiche, beispielsweise die Candlewickingstiche, ganz dichte Satinstiche, oder generell Zierstiche, die mit dickerem Garn genäht werden. Dazu zählt auch Madeira Decora 12, Gütermann DecoStitch70 oder auch etwas dickere Metallicgarne wie beispielsweise Madeira Glamour.
Auf den folgenden Fotos sieht man das Volumen solcher Stiche und wie sie perfekt unter den Candlewickingfuß passen und durch den „Tunnel“ perfekt durch gleiten.
Als erstes sieht man einen dichten Stainstich, genäht mit dickerem Madeira Metallicgarn Glamour Nr. 12:
Als zweites sieht man einen dichten Stainstich, genäht mit Madeira Decora 12.
Und hier noch ein Candlewickingstich, genäht mit Gütermann DecoStitch 70.
Nun also zurück zur den Ausgangsfragen:
- Muss ich denn wirklich alle 3 Füßchen haben?
- Kann ich nicht mit einem Füßchen alle Arbeiten ausführen?
- Reichen nicht auch die Füßchen aus dem Lieferumfang der Maschine?
Nachdem ich alle drei Füßchen gekauft und über Jahre genutzt habe, kann ich aus Überzeugung sagen:
Jeder dieser Füße hat seine klare Daseinsberechtigung, da sie unterschiedliche technische Aufgaben erfüllen und die Frage, ob man alle 3 Füßchen haben muss, würde ich persönlich mit „ja“ beantworten, weil damit ganz unterschiedliche Projekte genäht werden können.
Es kommt also nicht nur auf eine gute Sicht auf Nadel, Zierstich und eventuell die Laserlinienführung an, sondern auch auf eine gleichmäßige Fußdruckverteilung und einen gleichmäßigen Stofftransport.
- Der offene Applikationsfuß ist beispielsweise nicht optimal für Candlewickingstiche.
- Der Candlewickingfuß wiederum ist weniger geeignet für präzise Applikationen.
- Und der Sewing-Star-Fuß verhält sich bei Maxistichen und anspruchsvolleren Materialien deutlich stabiler als die Standardfüße 2A oder 8 aus dem Lieferumfang bei besserer Sicht auf das Geschehen und IDT als weitere Transporthilfe, was bei den Standardfüßen 2A und 8 nicht möglich ist.
Abschließend fasse ich nochmal zusammen :
1.) Der Applikationsfuß steht für maximale Präzision und beste Sicht auf Nadel, Garn und Stich, der ausgeführt wird, gerade dann, wenn eine Applikation ganz gerade an einer Kante entlang genäht werden soll.
2.) Der Sewing-Star-Fuß ist ideal für breite Dekorstiche, bietet ebenfalls sehr gute Sicht auf die Nadel und den Zierstich, sorgt aber zusätzlich für Stabilisierung des Materials.
3.) Der Candlewickingfuß bietet den nötigen Freiraum bei plastischen Stichen und der Nutzung von dickeren Dekogarnen, wie beispielsweise Madeira Decora12, Gütermann Deco Stitch70, Madeira Glamour etc.
Fazit:
Wenn bei einem Nähprojekt Probleme auftreten – wie ungleichmäßiger Stofftransport oder unsaubere Zierstiche – liegt es nicht nur an Garn, Nadel oder Stoff, sondern auch das passende Füßchen spielt eine entscheidende Rolle für ein sauberes und gleichmäßiges Ergebnis.
Viel Spaß beim ausprobieren der einzelnen Nähfüßchen.
Eure Mareike

Freihandnähfüße von PFAFF

Der PFAFF Gummibandannähfuß

Mareike: Der Pfaff Mehrstichkräusler

Mareike Barbian: Rulerwork mit PFAFF
Mareike näht selbst auf einer Pfaff Quilt Expression 720 und testet derzeit für uns die Expression 725.
Wenn Sie noch mehr von Mareike und den Expression Modellen lesen möchten, schauen Sie bei ihr auf Facebook vorbei:
Pfaff Quilt Expression 710-715-720-725 Hilfe und Austausch (Facebook-Gruppe)
Eine Antwort auf „Mareike: Offene Nähfüße von Pfaff“
Toller Vergleich und somit sehr hilfreich.
Danke