Mareike: Nähen auf Holz

„Wie bitte? Nähen auf Holz?? Das kann doch gar nicht funktionieren … oder etwa doch ???“

So waren meine ersten Gedanken, als ich zum ersten mal davon hörte.

Dass es aber eigentlich super klappt und gar nicht so schwer ist, was dafür benötigt wird und was man beachten muss, das zeige ich in diesem Beitrag.

Inspiriert wurde ich durch Tanjas Beiträge „Sticken auf Balsaholz“ und „Sticken auf Furnierpapier“:

Da ich keine Stickmaschine habe, war mir sofort klar, DAS muss ich natürlich mit meiner Pfaff QE 720 und Pfaff QE 725 ausprobieren. Diese Technik funktioniert mit allen anderen Expressionmodellen natürlich auch.

Welches Holz kann ich zum Nähen verwenden?

Tanja verwendet in ihren Beiträgen fertiges Furnierpapier, die Bezugsquellen dafür findet ihr in ihrem Beitrag.
Man kann das Furnierpapier allerdings auch selbst machen. Dazu braucht man Furnier mit maximal 0,6 mm Stärke. Ich hab dazu einmal dieses Set gekauft:

https://designholz.com/furniere/furnier-mix/furnier-mix-bastler-muster-diy-holz-blaetter-intarsien-saraifo-s5-s56589ze62

und einmal dieses Set:

https://www.furniere-online.de/produkt/furnier-set-i/

Es gibt auch gefärbte Furniere, allerdings habe ich speziell in diesem Fall keine Shop – Empfehlung, da ich diese 3 kleinen Furnierstücke geschenkt bekam:

 

 

Bei der Wahl des Furniers habe ich darauf geachtet, keine extrem harten Holzsorten zu nehmen, wie beispielsweise Robinie, Eiche, Bangkirai oder auch Buche.

Der ein oder andere mag vielleicht auch keine Tropenhölzer. Hier würde ich dann empfehlen, sich selbst einzelne Furniersorten zusammen zu stellen mit den gewünschten Hölzern, die heimisch sind, beispielsweise Nussbaum, Kirsche, Kiefer oder Ahorn.

Stabilisieren von Furnier mit Vliesen

Damit das Furnier zum Furnierpapier wird und Stabilität hat, damit es nicht auseinander bröckelt beim Nähen, habe ich auf die Rückseite Vlieseline H250 aufgebügelt.

Weil dann noch Zierstiche aufgenäht schön sauber ausgeführt werden sollen, habe ich zusätzlich noch Vlieseline Fuse-n-Tear aufgebügelt.

Bügelt man kein Vlies auf die Rückseite und legt keine Stickfolie auf das Holz, bröckelt das Holz, wird nicht sauber vernäht, Zierstiche werden nicht präzise ausgeführt, versinken im Holz und das Ganze sieht dann so aus, wie hier bei dem Kartenmäppchen:

Damit Zierstiche nicht im Holz versinken, nimmt man entweder Sulky Thermofilm, welches später mit einem Bügeleisen weggeschmolzen wird, oder eine wasserlösliche Folie, beispielsweise MADEIRA Avalon Film Meterware 50cm, dabei muss allerdings beachtet werden, dass das Holz sich durch das Wasser biegt und wieder vorsichtig glatt gebügelt werden muss.

Hinweis

Beim Folie wegschmelzen kann man einen Baumwollstoff darüber legen, da sonst bei mehreren Lagen Thermofilm der Kleber am Bügeleisen haften bleiben kann und nicht vollständig geschmolzen wird.

Wird ein dickeres Garn verwendet, wie hier ein Baumwollquiltgarn, reicht eine Lage Thermofilm.

Verwendet man ein dünneres Garn für Zierstiche, beispielsweise Madeira Polyneon, sollte Sulky Thermofilm 2- oder 3fach übereinander auf das Holz aufgelegt werden, weil sich gezeigt hat, das eine Lage bei diesem Garn zu wenig war und zu stark ins Holz „gerutscht“ ist.

Nach dem Nähen reißt oder schneidet man die Folie zuerst so weit wie möglich zurück, dann wird das ganze mit dem Bügeleisen auf Stufe 3 weggeschmolzen. Dabei sollte das Bügeleisen immer etwas bewegt werden. Durch die Bewegung entstehen solche Minifolienröllchen, die man dann vorsichtig entfernen kann. Zudem sorgt die Bewegung dafür, dass das Holz nicht verkohlt. Wie vorhin schon erwähnt – am besten noch einen Baumwollstoff auflegen, der die Kleberreste aufnimmt.

Das Ganze sollte dann nach dem Bügeln idealerweise so aussehen:

Extrem filligrane Zierstiche sind wirklich eine Herausforderung auf Furnierpapier und es bedarf wirklich einem nahezu perfektem Zusammenspiel folgender Komponenten:

* Holzart (ich hab bei diesem Beispiel Linde verwendet)
* Stickvlies (nur Vlieseline H250 reicht nicht)
* Nadel ( mein Favorit ist nach wie vor die Goldsticknadel in 75er Dicke von Schmetz)
* Garn (hier wurde Madeira Polyneon Multicolor verwendet)
* last, but not least – die Stickfolie, hier sogar 4fach aufgelegt

Das Ganze sieht dann nach dem Folie wegschmelzen so aus und wird weiter verarbeitet zu einem Lesezeichen:

Bei Zierstichen die voluminöser sind, oder 3fach genäht werden und auch bei der Nutzung von dickerem Garn  beispielsweise Gütermann Deco Stitch, oder Madeira Decora), könnte die Stickfolie oben drauf weggelassen werden und es ergibt trotzdem ein schönes Ergebnis.

Bei den Monogrammstichen widerum zeigt sich, dass zumindest eine Lage Stickfolie für ein saubereres Ergebnis gesorgt hätte.

Ich empfehle daher, die Zierstiche immer erst Probe zu nähen mit und ohne Stickfolie, bevor man das finale Werkstück näht.

Zierstiche auf Holz nähen

Entsprechend dem Nähprojekt habe ich den Nähfuß gewählt.

Bei folgendem Beispiel habe ich mit dem Mehrfachlinien Zierstichfuß gearbeitet, weil ich einen breiten Blockstreifen nähen wollte aus Zierstichen. Der Mehrfachlinien Zierstichfuß ist für diese Arbeit ideal.

Bei diesem Lesezeichen wurde zuerst ein Zierstich genau mittig aufgenäht, dann rechts und links davon der gleiche Zierstich und wieder rechts und links davon ein weiterer Zierstich.
Danach wurde eine zweite Lage Furnier auf die Rückseite mit Madeira Sprühkleber aufgeklebt, anschließend wurde das Ganze mit dem Raupenstich eingefasst. Dabei habe ich noch 2 Bänder zwischen die Furniere gelegt und das ganz ist nun ein Lesezeichen, genäht auf Zebranoholz.

Bei diesem Beispiel habe ich Mahagoniholz gewählt und mit dem Zirkellineal gearbeitet. Ansonsten gleiche Vorgehensweise und gleicher Aufbau wie zuvor. Zum Schluss wurde dann noch Vlieseline Lamifix aufgebügelt, damit der Untersetzer abwischbar ist.

Folgendes Projekt war deutlich aufwendiger, hat aber einen tollen Effekt, der selbst mich etwas überrascht hat. Ich habe 4 Sorten Furnier an jeweils 2 Kanten mit dem Rollschneider gerade geschnitten, dann aneinander gelegt, anschließend Vlieseline H250 aufgebügelt, damit die Furnierteile nicht verrutschen. Danach zusätzlich Stickvlies aufgebügelt, oben drauf 3 Lagen Thermofilm und mit dem Pfaff Zirkellineal Zierstiche aufgenäht.
Der Rand wurde eingefasst mit dem Raupenstich.

Durch das häufige Perforieren mit der Nadel, konnte ich das überstehende Holz abbrechen. Danach wurde das Holz auf Filz aufgeklebt und abschließend wurde Lamifix aufgebügelt.

Das Ganze ist nun ein toller Untersetzer für eine Vase, einen Blumentopf, Kaffeekanne etc.

Was geht noch?

Dann habe ich noch ausprobiert, ob man auch mit anderen Nähtechniken arbeiten kann auf Holz. Wie hier zu sehen – einen der Bänderstiche in Kombination mit weiteren Zierstichen. Das Furnierpapier wurde abschließend auf eine Klappkarte aufgenäht, die man auf der Rückseite noch mit einem persönlichen Text versehen kann.

Und zum guten Schluss kam mir noch die Idee, Cutwork auf Holz auszuprobieren, weil ich Cutwork ja schonmal mit der Nähmaschine probiert hatte und das richtig cool fand.

Es sollte eine Hülle werden für ein kleines Teelichtglas. Aber ACHTUNG – wenn es eine echte Kerze ist, niemals unbeaufsichtigt lassen. Im Idealfall ein leeres Gläschen mit einem LED Teelicht verwenden, damit nichts brennen kann. Das Furnierpapier hab ich vorher einmal rund um das Glas gehalten, es sollte unbedingt etwas übereinander ragen, damit man genug Platz hat, beide Seiten später miteinander zu verbinden.

Bei Cutwork arbeitet man ja klassischerweise mit den Pfaff Cutworknadeln. Allerdings ist bei Testen mit mehreren Holzarten das Holz durch das Schneiden der Nadel zu stark gebrochen und ich entschied mich dazu, das Ganze mit einer Gold-Nadel zu probieren in 110er Dicke.
Das ganze funktioniert mit Sicherheit auch mit einer Universalnadel, Hauptsache so dick wie möglich. Eine Ledernadel würde ich hier nicht empfehlen, da die das Holz wieder zu stark schneidet und ausbrechen kann.

Für diese Arbeit hab ich den Candlewickingfuß angebracht, weil man durch die offene Bauweise besser auf das „Näh“geschehen sieht und habe 2 verschiedene „Cutwork“ – Varianten probiert, oder sagen wir besser „Perforiervarianten“.

Erste Variante: mit Zierstichen aus der Maschine ein Muster „aufgenäht“ bzw perforiert

Zierstiche, die ganz dicht beieinander genäht werden, wie zum Beispiel die Satinstiche, funktionieren hierbei nicht, weil durch die hohe Perforationsdichte die kleinen Holzteile raus brechen.

Variante 2 ist etwas aufwendiger. Hierbei habe ich mir ein Muster im Internet raus gesucht, ausgedruckt und per Pauspapier auf das Holz übertragen, selbstverständlich kann man auch frei Hand ein Muster aufmalen, aber Achtung – das Muster muss auf die Holzseite gemalt werden, die später innenliegend und somit nicht zu sehen ist, da durch das Pauspapier später noch ein paar Linien zu sehen sind. Zur Stabilisierung habe ich Vlieseline H250 aufgebügelt, ein weiteres Stickvlies ist bei dieser Arbeit nicht nötig.

Für diese „Cutwork“ bzw Perforationsvariante habe ich Ober- und Unterfaden ausgefädelt, den Geradstich ausgewählt und die Stichlänge auf Standardeinstellung ( 2,5 ) gelassen, da zwischen den einzelnen Einstichlöchern Platz bleiben muss, weil sonst einzelne Holzstückchen komplett raus brechen würden.

Dann wurde das Muster entlang der Linien perforiert, auf langsamer Geschwindigkeit.

Hier klicken, um den Inhalt von www.youtube-nocookie.com anzuzeigen.

Wenn das Muster fertig perforiert ist, kann man das ganze gegen eine Lichtquelle halten und schauen, ob noch etwas ergänzt werden soll.
Falls nicht, werden die Enden des Furnierpapiers miteinander verklebt. Entweder mit klassischem Holzleim, einem doppelseitigen Klebeband, oder auch Sekundenkleber. Idealerweise klammert man das Holz mit kleinen Stoffklammern zusammen, lässt es ausreichend trocknen und wenn man möchte, kann man noch ein Band drum herum binden und das Ganze sieht dann so aus:

Ihr seht – es gibt viele Möglichkeiten, was man alles mit Holz machen kann, auch wenn man keine Stickmaschine hat.

Zum Abschluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass Nähen mit Holz ein bischen mehr Dreck in der Spulenkapsel hinterlässt. Diese minikleinen Spänchen sollte man auf keinen Fall mit einem Druckluftgebläse raus pusten, weil es dadurch passieren kann, dass die Spänchen noch weiter in die Maschine und in den Motor gelangen.

Daher nur mit dem Pinsel arbeiten und unbedingt häufiger sauber machen als beim normalen Nähen.

Nun bleibt mir nur noch, Euch viel Spaß beim ausprobieren zu wünschen und Euch in unsere Facebookgruppe einzuladen. Dort findet ihr noch mehr Ideen zum Nähen mit Holz.

Bis bald, Eure Mareike

Im Beitrag verwendete Produkte
Wer schreibt hier?

Mareike näht selbst auf einer Pfaff Quilt Expression 720 und testet derzeit für uns die Expression 725

Wenn Sie noch mehr von Mareike und den Expression Modellen lesen möchten, schauen Sie bei ihr auf Facebook vorbei:

Pfaff Quilt Expression 710-715-720-725 Hilfe und Austausch (Facebook-Gruppe)

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