Flachnähte auf orangem Stoff

Judith: Patchwork mit der Overlock

… oder: Flachnähte als dekoratives Element. Das kann die Overlock nämlich auch. Ich gebe zu, dass ich meine Overlock in den meisten Fälle für funktionelle Nähte beim Nähen von Kleidung verwende. Die Naht soll in dem Fall zwei oder mehr Stofflagen zusammenhalten und wird dabei gleichzeitig versäubert. Aber viele Overlockmaschinen können auch Flachnähte nähen und die sind nicht nur funktionell, sondern auch dekorativ. Das wollte ich mit meiner Maschine ausprobieren! So ist ein Täschchen mit dekorativem Karomuster entstanden.

Während es hier einfach nur ein bisschen nach Patchwork aussieht, kann man das Ganze auch im wörtlichen Sinne zum Zusammensetzen nehmen: Statt an der Bruchkante zu nähen lassen sich mit der Flachnaht ja auch zwei Stoffstücke miteinander verbinden. Für den ersten Versuche rate ich aber zu dieser Variante.

Tutorial in zwei Teilen

In diesem ersten Teil erkläre ich, wie die dekorative Nähte genäht werden. In einem zweiten Teil zeige ich dir, wie aus zwei Stoffteilen ein einfaches Reißverschlusstäschchen wird.

Meine Maschine kann Flachnähte mit zwei oder drei Fäden nähen. Für dieses Projekt habe ich nur die Variante mit zwei Fäden verwendet. Ich nähe mit einer Bernina L850 und die Angaben und Einstellungen beziehen sich auf diese Maschine. Die Bernina hat die Möglichkeit um mit einer Stichbreite von bis zu 9,0 mm zu nähen. Das habe ich genutzt! Allerdings sehen Flachnähte auch mit einer schmaleren Stichbreite toll aus. Auf dem Bild sieht man (von links nach rechts) Nähte mit einer Breite von 9,0 mm, 7,0 mm, 9,0 mm und 5,0 mm.

Hinweis vom nähRatgeber:

Bei dieser Technik wird der Faden der Nadel als dekoratives Element eingesetzt. Wird hier dickeres Garn verwendet, muss auch das Nadelöhr entsprechend groß sein. Näht Ihre Overlock ausschließlich mit ELx705-Nadeln, müssen Sie erst prüfen, ob dicke Garne damit vernäht werden können. 

Material

Bemerkung zur Stoffwahl

Ich habe einen festen Stoff gewählt, damit ich das Teil später ohne weitere Verstärkung zu einem einfachen Täschchen verarbeiten kann. Die Technik funktioniert auch mit dünneren Stoffen wie z.B. Patchworkstoffen. Stoffe, die sehr schnell ausfransen, sind weniger geeignet.

Die Größe bestimmen

Mein fertiges Teil soll die Außenseite eines Reisverschlusstäschchen werden. Beim Zuschnitt bin ich ausgegangen von der Größe, die meine Tasche am Ende haben soll. Dazu kommt die Nahtzugabe und 2cm für jede dekorative Naht, die ich nähen möchte. In meinem Fall sind das 3 cm x 2 cm für die Höhe und Breite von meinem Stoffteil.

Ich habe meine zwei Teile für die Außenseite zugeschnitten und zwar einige Zentimeter größer als ich sie später brauche. Somit habe ich nachher Spielraum, um die Dekonähte an meine Tasche aufeinandertreffen zu lassen.

Stoffteile vorbereiten

Lege dein Stoffstück mit der linken Stoffseite nach oben und markiere die Mitte des Stoffstücks mit einer horizontalen und einer vertikalen Linie.

Von diesen Markierungen aus bestimme ich jetzt wo ich meine Dekonähte nähen möchte. Behalte dabei im Hinterkopf, dass du für jede Dekonaht 2 cm Stoffbreite brauchst. Das heißt, jede Dekonaht macht dein Stoffstück um 2 cm kürzer/schmaler weil mit einer Nahtzugabe von 1 cm genäht wird.

Zuerst habe ich die vertikalen Dekonähte markiert. Ich werde drei Nähte rechts der Mitte nähen. Dabei habe ich 5 cm von der Stoffkante angefangen und zwischen jeder Dekonaht auch 5 cm Platz gelassen. Nach dem Nähen sollten das dann noch etwa 3 cm sein, da die Nahtzugabe ja wegfällt.

Damit bei mehreren Nähten ein einheitliches Bild entsteht, ist es wichtig, dass immer in die gleiche Richtung genäht wird. Ich fange also immer an der gleichen Kante an. Das kann entweder die obere oder die untere Stoffkante sein. Markiere mit einem Kreuz die Stoffkante, an der du jede Naht anfangen möchtest.

Maschineneinstellung Bernina L850

Bevor ich mit dem Nähen anfangen kann muss ich meine Maschine richtig einstellen. Hier unten findest du die Einstellungen die ich für meine Kombination aus Stoff, Garn und Maschine verwendet habe. Natürlich ist jede Maschine (Marke, Modell) unterschiedlich und ich kann nur empfehlen, einige Testnähte auf einem Stoffrest zu nähen.

Genäht wird eine 2-Faden Flachnaht mit der linken Nadel.

Spannung:

Linke Nadel: 1,0
Rechte Nadel: X
Obergreifer: X (Obergreifer Abdeckung anbringen)
Untergreifer: 5,0

Weitere Einstellungen:

Stichbreite: 9,0 mm
Stichlänge: 2,5 mm
mtc: +2 (maximale Einstellung)
Differential: 1,0

Wenn du mit deinem Testergebnis zufrieden bist, kann es jetzt losgehen!

Die Dekonähte nähen

Genäht werden die Dekonähte auf der linken Stoffseite. Ich lege meinen Stoff also rechts auf rechts zusammen an einer der markierte Linien. Da ich einen Dry Oilskin verwende, reicht es den einfach mit dem Finger flach zu streichen. Hier können auch Stoffklammern oder Stecknadeln verwendet werden damit nichts verrutscht.

Ich nähe mit einer Nahtzugabe von 1cm. Ich finde es schwierig einfach nach Augenmaß zu nähen, also benutze ich die praktische Führungshilfe die bei meiner Maschine im Lieferumgang dabei ist.

Auf dem Standard Nähfuß ist eine Markierung, wo sich die linke Nadel befindet. Daran orientiere ich mich und Ich platziere das Nahtführungslineal 1cm rechts von dieser Markierung. Jetzt kann ich einfach mit 1cm Nahtzugabe nähen.

Nähe die Flachnähte ruhig und nicht mit höchster Geschwindigkeit. Ich habe bei meiner Bernina die Möglichkeit, die maximale Geschwindigkeit zu halbieren, diese Funktion habe ich genutzt.

So sieht die genähte Naht jetzt aus und nun kommt die Magie: Ich drehe den Stoff so, dass die rechte Seite jetzt oben ist.

Die Nahtzugabe auf der Rückseite lege ich so, dass nur der Greiferfaden sichtbar ist. Jetzt ziehe die beiden Enden auseinander (dabei die Nahtzugabe mit den Fingern festhalten). Dabei öffnet sich die Flachnaht und der schöne Faden mit Farbverlauf zeigt sich. Ich fange dabei am Nahtanfang an und arbeite mich langsam herunter zum Nahtende.

Die beiden Stoffkanten sollen schön flach übereinander legen. Es kann helfen, wenn man während des Auseinanderziehens die beiden Stofflagen nah an der Naht in die Hand nimmt, und die beiden Teile ein bisschen in gegensätzliche Richtungen bewegt.

Leider legen sich die Nahtzugaben meistens nicht von alleine schon übereinander. Da muss man ein bisschen nachhelfen. Ich nutze dafür gerne ein Stiletto oder eine Ahle. Ich fange am Nahtanfang an und lege die Stoffkanten flach mit Hilfe des Stilettos. Dann arbeite ich mich weiter an der Naht entlang zum anderen Nahtende und benutze das Stiletto immer wieder, um die Stoffkante flachzulegen. Dabei muss man das Stiletto vorsichtig zwischen die Stiche unter der oberen Stoffkante bringen.

Nähe jetzt die restliche Dekonähte auf die gleiche Weise und achte dabei darauf, dass die Stoffkanten immer in die gleiche Richtung liegen.

So sieht mein Stoffteil jetzt mit drei vertikalen Dekonähten aus:

Auf die gleiche Weise nähe ich jetzt noch drei horizontale Dekonähte. Achte beim Umfalten jetzt darauf, dass die bereits genähten Dekonähte schön parallel liegen.

So sieht mein fertiges Stoffteil jetzt aus mit sechs Dekonähten, drei horizontalen und drei vertikalen. Ich nähe jetzt noch ein identisches Teil und verarbeite beide Stoffteile zu einem einfachen Täschchen.

Im Beitrag verwendete Produkte
Wer schreibt hier?

Judith liebt Patchwork, aber nicht nur das! Auf ihrem Blog merinoandtomatoes finden Sie neben Patchworkanleitungen und viele Anregungen rund um die Themen Stricken, Kochen und Fotografieren. 

Sie näht mit einer Bernina L850 als Overlock und einer Janome Continental M8 als Nähmaschine.

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