Manchmal sucht man gar nicht die eine große neue Traummaschine, sondern eine Maschine, die genau eine Lücke schließt. So war es bei mir mit der Janome Memory Craft 1000. Ich wollte eine zweite Maschine, die klein genug für Reisen ist, auf meinem Nähtisch nicht ständig im Weg steht und gleichzeitig robust genug für die ersten Nähversuche meiner Kinder. Am liebsten wieder von Janome, weil ich mit meiner 6700P seit Jahren gut zurechtkomme und mich in der Janome-Welt einfach zuhause fühle.
Und dann war da noch dieses Thema Sticken. Ich habe es schon länger aus der Ferne beobachtet, im Stick Camp vom nähPark auch selbst ausprobiert und gemerkt: Das macht schon Spaß. Nur wollte ich dafür nicht direkt eine riesige Investition tätigen. Ich wollte erst einmal testen, ob Sticken bei mir wirklich regelmäßig zum Einsatz kommt. Auf der Online Hausmesse 2025 habe ich die MC1000 kennengelernt und der erste Eindruck war wirklich gut: Kompakte Näh- und Stickmaschine, 140 x 140 mm Stickfläche und Freiarmsticken. Also genug Ausstattung, um ernsthaft loszulegen, ohne gleich in einer ganz anderen Preisklasse zu landen.
Hier kannst Du Dir direkt die Vorstellung der Maschine anschauen: Online-Hausmesse Janome MC100e und MC1000.
Besonders clever finde ich den Stickarm: Er wird nach hinten ausgeklappt und muss im Nähmodus nicht abgenommen werden. Also weniger Zubehör zum Verstauen im Vergleich zu Kombi-Maschinen, bei denen man das Stickmodul anbaut und entsprechend auch bei Nicht-Benutzung verstauen muss. Und die Grundfläche der Maschine mit eingeklapptem Arm ist klein genug, damit es auf meinen Tisch passt.
Eine weitere Kleinigkeit, aber für mich essenziell: Die Maschine kann mit einem Kniehebel ausgestattet werden (der Kniehebel von der 6700P passt). Ich nähe inzwischen so selbstverständlich damit, dass ich ihn wirklich vermisse, wenn er fehlt. Schön ist auch: Die MC1000 hat einen Freiarm. Das ist für mich tatsächlich ein kleines Highlight, weil genau das meiner 6700P fehlt.
Im Lieferumfang sind bereits neun Füßchen enthalten, darunter der 1/4″-Fuß O, der Stickfuß P, Reißverschluss-, Blindsaum-, Satin- und Overlockfuß. Für meinen Bedarf war da erst einmal alles dabei, was ich im Alltag wirklich benutze.
Und dann dieser Einfädler! Janome nennt ihn „Superior V2 Einfädler“. Bei mir hat er seinem Namen alle Ehre gemacht, denn er hat von Anfang an zuverlässig funktioniert.
Schnell im Menü angekommen
Das Menü hat mich direkt abgeholt. Zwischen Nähen und Sticken lässt sich schnell umschalten, die Oberfläche ist übersichtlich, und nach einem kurzen Blick in die Anleitung konnte ich meine üblichen Grundeinstellungen direkt setzen: Standby-Zeit, Helligkeit von Display und Beleuchtung, Nadelposition oben oder unten, automatischer Fadenschneider an oder aus, Startgeschwindigkeit.
Erst ein paar Nähte – dann musste ich natürlich sticken
Nach ein paar Geradeausnähten wollte ich natürlich möglichst schnell an die Stickfunktion. Im Lieferumfang ist der Rahmen SQ14e enthalten, also 140 x 140 mm. Für meine Ideen ist diese Größe absolut passend: Groß genug für Motive auf Shirts, Täschchen oder Kleidung, aber eben klar im Einsteigerbereich. Genau das sollte man wissen: 14 x 14 cm reichen für sehr vieles, ersetzen aber nicht das typische Datei-Format 13 x 18 cm oder noch größere Formate.
Aus dem Stick Camp wusste ich noch, was beim Sticken das A und O ist: Das richtige Vlies. Also habe ich mir mein Sulky-Starterset geschnappt, erst einmal gelesen und es dann möglichst einfach gehalten: Baumwoll-Webware, ein integriertes Motiv aus der Maschine und los.
Mein erstes Motiv waren Pommes direkt aus der Maschine. Das hat auf Anhieb funktioniert. Nur bei der Frage „Wo vernähe ich jetzt eigentlich diese Pommes am schönsten?“ war die Maschine erwartungsgemäß keine Hilfe 😉
Warum ich mir den kleineren FA10e-Rahmen schnell dazugeholt habe
Relativ bald ist bei mir noch der kleinere Stickrahmen FA10e eingezogen. Der hat eine Stickfläche von 100 x 40 mm und ist für Freiarmstickerei gedacht. Gerade wenn man auf bereits geschlossenen Teilen sticken möchte, also auf Ärmel, Hosenbeine oder Bündchen, ist so ein Rahmen unglaublich praktisch.
Durch die kleinere Rahmengröße sitzt ein kleines Motiv oft stabiler eingespannt und man verschwendet weniger Vlies als im großen 14er-Rahmen. Für kleine Einzelmotive ist die Platzierung dann weniger fummelig.
Es gibt den kleinen Stickrahmen auch noch in den Maßen 50 x 50 mm.
Meine ersten Stickversuche: von Pommes bis Weihnachtsdackel
Nach dem problemlosen Einstieg durfte ein Ballonhund auf ein altes T-Shirt. Das Motiv selbst wurde sauber gestickt, aber der Stoff war schlicht zu dünn. Trotz Vlies gab es Löcher. Das war kein Fehler der Maschine, sondern eher ein Klassiker aus der Kategorie „Material unterschätzt“. Zum Schlafen reicht das Shirt jetzt trotzdem noch locker.
Richtig schön wurde es dann bei unseren Weihnachts-Schlafanzügen. Die Schlafanzughosen waren gekauft, die Oberteile ebenfalls, aber jedes Familienmitglied durfte sich sein eigenes Motiv aussuchen.
Besonders hilfreich war dabei ein Tipp von Tanja (HIER nachzulesen): Motiv diagonal drehen, dann lässt es sich manchmal noch ein kleines Stück größer nutzen. Janome bietet für die MC1000 den kostenlosen Embroidery Editor für den PC an, mit dem sich Motive bearbeiten und für den USB-Stick vorbereiten lassen.
Besonders gespannt war ich dann noch auf sehr kleine Motive, als ich über diese Weihnachtsdackel gestolpert bin. Ich wollte wissen, ob die MC1000 auch kleine Stickereien sauber umsetzt. Ich bin mit dem Ergebnis super zufrieden!
Kissenhülle nähen
Seit einigen Monaten habe ich zwei Vorderteile für Kissen bei mir liegen, die noch auf Fertigstellung warteten. Der perfekte Test für die MC1000: Mehrere Lagen Stoff transportieren, versäubern von Kanten und Reißverschluss einnähen.
Die Kissen-Vorderteile sind von Hand gequiltet, bestehen also schon aus drei Lagen: Oberstoff, Quilt-Vlies und Webware auf der Rückseite. Ich hatte das Vorderteil schon rundherum mit einem sehr kleinen Stich umrandet um die Fäden zu sichern. Zusätzlich wollte ich den Rand aber natürlich auch versäubern. Den Overlockfuß M kannte ich schon von meiner alten Janome. Mit dem passenden Stich erhält man eine Overlock-ähnliche Versäuberung und auch die MC1000 hatte überhaupt keine Probleme mit den Lagen.
Die Kissen-Rückseite habe ich mit F220 verstärkt und dort sollte ein Reißverschluss eingenäht werden. Den Reißverschluss hatte ich mit Stoff etwas verlängert. Das Nähen dieser Endstücke war beim ersten Versuch nicht ganz so sauber, wie ich es von der 6700p kenne, die zweite Naht ging aber schon besser (einfach mal mit der Stichlänge etc. spielen, dann findet man die passende Einstellung).
Normalerweise würde ich nun für die weitere Verarbeitung den Obertransport-Fuß nutzen, weil damit die Lagen (Oberteil, Quiltvlies, Innenstoff, Rückseite, F220) einfach perfekt transportiert werden. Nach ein bisschen Überlegung habe ich mich aber (vorerst) dagegen entschieden den OTF zu bestellen, sondern habe stattdessen den Rollen-Fuß genommen. Während unten der Transporteur seine Arbeit macht, werden die oberen Lagen mit der Rolle im Fuß etwas „gerollt“.
Was man vor dem Kauf wissen sollte
So sympathisch mir die Janome MC1000 ist, ein paar Dinge sollte man vorher wissen. Die Stickfläche ist mit 140 x 140 mm ordentlich, aber eben nicht riesig. Wer vor allem große Brustmotive, ausladende Rückenstickereien oder viele gekaufte Dateien im 13 x 18 cm Format im Kopf hat, wird schnell an Grenzen stoßen.
Auch das Display ist eher kompakt. Für die Bedienung reicht es gut aus, aber natürlich darf man hier keinen Luxusbildschirm aus der Oberklasse erwarten. Mit der kostenlosen Software kann man grundlegende Änderungen an Dateien vornehmen (drehen, kleine Vergrößerungen oder Verkleinerungen), aber eben nicht mehr als das. Für das, was ich mir von der Stickmaschine erhofft habe, reicht auch diese Software.
Mein Fazit zur Janome MC1000
Die Janome MC1000 ist für mich genau die Maschine, die ich gesucht habe: Klein genug als Zweitmaschine, vertraut genug für den schnellen Einstieg und vielseitig genug, um Nähen und Sticken in einem kompakten Gerät auszuprobieren. Sie passt gut auf meinen Nähtisch, lässt sich ohne große Umgewöhnung bedienen und bringt viele Details mit, die ich im Alltag sofort schätze.
Für mich ist sie keine „kleine Notlösung“, sondern eine sehr durchdachte Ergänzung zu meiner großen Janome. Wer bereits eine starke Nähmaschine besitzt und Sticken erst einmal in Ruhe ausprobieren möchte, bekommt hier eine sehr stimmige Kombi. Und wer eine kompakte Janome sucht, an der auch Kinder erste Projekte nähen können oder die man problemlos mit in den Urlaub nehmen kann, sollte sie sich ebenfalls genauer anschauen.
Ich bin jedenfalls noch lange nicht fertig mit ihr. Als Nächstes wartet noch ein Hoodie für meinen Sohn.
Friederike ist die zentrale Anlaufstelle der Nähgang und zeigt privat ihre Werke auf Instagram als piecestopatch. Sie sehen Sie auch immer wieder mal bei unserer Online-Hausmesse.
Sie näht mit einer Janome MC6700P und hat dazu als Zweit- und Stickmaschine die Janome MC1000.

Janome MC 1000 und MC 100E

Janome MC 1000 – erster Eindruck
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