Bernina L660 Overlock mit Kniehebel

Bernina L660 Overlock – Testbericht Teil 1

Bis jetzt musste man sich bei den aktuellen Bernina Overlockern zwischen zwei ziemlich unterschiedlichen Varianten entscheiden: Mit Lufteinfädelung und sehr groß oder kompakt, aber dafür ohne Kompressor.

Die L6-Serie positioniert sich dazwischen. 10 cm schmaler als eine L8, aber mit mehr Komfort als eine L4. Was die Bernina L660 alles so bietet, wollen wir hier herausfinden.

Zum Einstieg was Leichtes

Für die ersten Nähte haben wir uns für ein einfaches T-Shirt entschieden, das wir nach diesem Schnitt schon mehrfach genäht haben.

Und an den angeschnittenen Ärmeln nähen wir meist auch gleich ein Band mit ein, geht bei Bernina ja direkt mit dem Standardfuß. Das erklären wir hier:

Daher hätten wir aus Gewohnheit fast gar nicht in die Bedienungsanleitung geschaut. Aber eben nur fast. Lieber doch mal einen Blick rein werfen. Aber nichts zu finden. Bis auf die Bemerkung in der Übersicht, dass der Fuß zum Annähen von Bändern verwendet werden kann. In den Anleitungen der L8 ist es zumindest in kurzer Textform mit einem Bild erklärt, bei der L6 wurde darauf komplett verzichtet. Schade für Neueinsteiger, denn die Funktion an sich ist ja klasse. Da werden wir doch mal drauf achten, wie ausführlich die mitgelieferte Anleitung sonst so ist.

Overlockgarn gab es für den Anfang auch nicht, haben wir in Orange eh nicht. Für die Nadeln gab es Madeira Aerofil, für die Greifer Troja.

Erster Griff zum Sonderzubehör

Oft wird ja gefragt, welche Zubehörteile man gleich zu Anfang dazu kaufen sollte und meist raten wir dazu, erst mal mit dem mitgelieferten Zubehör los zu legen und dann nach Bedarf zu kaufen.

Aber wir haben den Klarsichtfuß direkt bei der zweiten Naht von der L850 geholt. Praktischerweise ist das Zubehör kompatibel.

Denn das Shirt bekommt ein Label und so sehen wir die Heftnaht von der Nähmaschine einfach viel besser.

Und auch die enge Kurve in der Achsel lässt sich mit freier Sicht angenehmer nähen.

Zusammen mit dem praktischen MTC ist die Innenkurve richtig schön genäht.

Dimmbares Licht

Zugegeben, als wir das erste Mal davon gehört hatten, haben wir uns schon gefragt, wozu man das braucht. Zum Fotografieren! Und es ist wirklich so. Wer seine Projekte an der Overlock oft fotografiert, wird diese Funktion lieben.

Für diesen Unterschied mussten wir die Maschinen bis jetzt immer ausschalten.

Auch das kennt jeder, der beim Nähen das Handy zückt. Zu hell oder zu dunkel. Da ist dimmbar doch eine gute Option! Wir finden, zum Nähen braucht es das nicht unbedingt, aber es wird einige Nutzer geben (wie uns), die sich über den Lichtschalter freuen!

Wir haben uns eingearbeitet und das Shirt wandert jetzt noch weiter an die L620.

Stoff: Fräulein von Julie

Ehe es mit Bekleidung weiter geht, darf die L660 noch schnell einen Quilt versäubern. Wir waschen unsere Quilts immer, ehe das Binding ran kommt und dafür wird die Kante mit der Overlock versäubert. Das sichert die drei Lagen und sorgt auch dafür, dass sich das Binding leichter annähen lässt. Breite Overlocknaht mit drei Fäden, Druck auf L, Stichlänge erhöht und eine Seite nach der anderen versäubern.

Zubehörbox

Dass man kein Zubehör in einer Klappe verstauen kann, ist schon etwas ungewohnt. Aber alles passt da ohnehin nie rein.

Den Deckel der Box finden wir aber nicht wirklich „Bernina“-like. Ein einfacher Pappdeckel, der die Rückseite der Werkzeughalterung abdeckt. Das geht doch edler!

Also Pappe raus, Form nachzeichnen und dekoratives Material wieder rein. Bei uns eine Art Kunstleder, die aber nicht zum Nähen taugt.

Flutschige Sportjerseys

In Zusammenarbeit mit der L620 entstanden zwei Sport-Tops:

Es waren aber nur geringfügige Einstellungen nötig. Beim pinken Lycra lagen die vermutlich sogar hauptsächlich am Garn, denn hier hatten wir keine vier gleichen Konen, also wurde Overlockgarn und Nähgarn in verschiedenen Stärken und Farbnuancen gemischt.

Beim blauen Lycra hatten wir am Anfang wirklich Sorgen, ob es überhaupt klappt. Das war ein Restposten und mittlerweile vermuten wir, aus der Faschings-Abteilung. Fast durchscheinend und glatt, aber bleibt sogar an rauer Haut schon hängen. Für die L660 kein Thema. Auch hier hatten wir keine vier gleichen Garne. In den Nadeln befand sich Mettler Serarcor, im Obergreifer Gütermann Bulky Lock 80 Multicolor und im Untergreifer Mettler Seraflock. Hier musste die Greiferspannung etwas angepasst werden, damit die Verschlingung auf der Kante landet. Aber bei verschiedenen Stärken und Qualitäten ja eigentlich logisch.

Ordentlicher Abschluss

Wir lieben ja ordentliche Nähte und dazu gehört der Abschluss, wie wir ihn hier erklären. Das geht auch super mit der Bernina L660.

Kommt der Anfang in Sicht, wird und gibt es nichts mehr zu schneiden, wird das Messer abgeschaltet.

Dazu noch die Stichzunge abschalten, das gibt dann einen eng anliegenden Übergang zur Kette. Die noch verstechen und die Naht ist supersauber.

Anmerkung:

Das Abschalten des Messers ist bei der L660 zwar wesentlich komfortabler als an der L460, aber am besten geht es immer noch bei der L8er Serie von Bernina. Hier können wir quasi mit einem Finger noch während des letzten Stichs das Messer abschalten und auch wieder beim Rausketteln zuschalten.

Was fällt rein?

Bei der L460 wird ab und an bemängelt, dass zu viel Stoff ins Innere fällt und bei einer L8 sammelt sich gern mal Material unterm Messer.

Bei der L660 konnten wir es manchmal beobachten, wenn der Abschnitt extrem dünn war, dass er sich doch mal nach innen gemogelt hat, aber nicht oft. Das Messer ist zwar nach ein paar Projekten etwas „paniert“, aber mal kurz mit dem Pinsel drüber und weiter gehts. Gepresste Fusseln wie bei der L850 entstehen nicht.

Anschiebetisch

Die Auflagefläche hat für die bisherigen Projekte gut gereicht, nur bei diesem sehr rutschigen Polyesterjersey haben wir dann doch mal den großen Anschiebetisch montiert und so machte er sich nicht mehr auf Abwege.

 

Das waren für den Einstieg doch die eher einfachen Stoffe, als nächstes Projekt liegt eine Jeans auf dem Zuschneidetisch. Und so langsam muss man sich ja auch auf den Winter vorbereiten, dafür stehen dann die dickeren Stoffe auf dem Plan.

Unser erster Eindruck:

Endlich overlocken mit Bernina-Komfort, ohne anbauen zu müssen.

Wir sind absolute Fans der L8er Serie, aber sie brauche schon enorm viel Platz. Wer den nicht hat, der freut sich über die L660. Lufteinfädelung und Nadeleinfädler, aber ca. 10 cm kleiner.

Die zwei großen Neuheiten Transporteurversenkung und der programmierbare Nadelstopp gefallen uns zwar, haben aber bei der Cover mehr Gewicht als bei der Overlock. Die Messerabschaltung ist im Vergleich zur L4 wesentlich besser, aber nicht ganz so komfortabel wie bei einer L8.

Dadurch ergibt sich für uns das Bild der perfekten Anordnung. Die Zahlen hinter dem L stehen für die Menge an Bedienkomfort. Was das Nähen angeht, sind alle Overlocker von Bernina (mit der kleinen Ausnahme L450 durch den anderen Motor) gleich gut. Nicht zuletzt wegen der 9 mm Schnittbreite und der Feineinstellung mtc. So findet sicher jeder Fan der schönen Overlocknaht in Zukunft die passende Bernina.

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