Ehe wir in weitere Projekte einsteigen, nochmal was zu einem Projekt im ersten Teil des Testberichts. Wir mussten die Leggings nochmal in einer anderen Farbe nähen und da wollten wir dann doch mal sehen, wie nah am Rand die Bernina L620 kann.
Hält man den Greiferfaden fest, klappt diese Version mit unserem Stoff (Romanitjersey) schon ganz gut. Dabei ist uns die Markierung rechts am Nähfuß aufgefallen. Hier sticht also die Nadel beim ersten Stich ein.
Das ist ja schon mal eine gute Orientierung. Denn nach der Nadel kann man sich nicht wirklich richten. Man kann ja von oben nicht wirklich so exakt draufschauen (der Optiker sagt, nicht parallaxenfrei). Dazu kommt aber noch, dass sich der Transporteur beim ersten Stich schon bewegt, der Stoff wird also direkt ein Stück nach hinten gezogen.
Man kann also davon ausgehen, dass es reicht, wenn der Strich auf dem Stoff zu sehen ist. Und das hat die L620 dann auch so gecovert.
Die Coverstich bei der Jeans
Auch wenn gekaufte Jeans einige Kettstichnähte haben, covert man im Hobbybereich doch eher weniger an Jeanshosen.
Bei uns sind es in der Regel zwei Nähte: Wir heften mit der Cover die Außenbeinnähte vor der Anprobe. Warum? Passt die Jeans, haben wir eine belastbare Naht. Passt sie nicht, ist die Kettstichnaht spielend leicht wieder aufgetrennt:

Auftrennen einer Covernaht
Und dann noch der Saum.
Hier haben wir zwei verschiedene Garne für die Kette getestet. Für die Nadel wurde Gütermann Denim No. 50 genutzt, weil wir damit die Jeans auch an der Nähmaschine genäht hatten. Für die Kette dann Madeira Aerofil 35 und Gütermann Denim No. 50.
Oben sieht man keinen Unterschied, aber unten. Eigentlich wollten wir schon mit Aerofil nähen, einfach, weil wir es aufbrauchen wollen. Von den starken Garnen ist es nämlich das, was bei uns immer wieder Probleme bereitet. Wir bevorzugen für Jeans mittlerweile schon das Denim No. 50. Wird ja auch in der Industrie verwendet. Durch den Kontrast ist es klar, dass man sofort sieht, wo der Oberfaden auf die Rückseite kommt. Mit höherer Spannung auf dem Oberfaden konnte man dieses Problem lösen, aber dann war uns die Naht zu fest. Also wurde komplett auf Denim No. 50 gewechselt.
Wir haben den Saum zuerst an der Nähmaschine von hinten mit Madeira Wash Away geheftet und dann von vorne mit der L620 abgesteppt. Mit dem optionalen Ausgleichsfuß könnte das bestimmt auch ohne Heften gehen, aber der steht ja noch auf der Wunschliste. Über die Stufen, auch mit der Seitennaht, hatte die L620 keine Probleme.
Ziernähte – covern von links
So, da ist sie wieder, die eine Frage: Braucht man den Deckstich oder nicht? Wir haben uns ja sehr gefreut, als die Brother CV3550 auf den Markt kam, die erste reine Deckstichcover im Haushaltsbereich. Und sie hat funktioniert. Aber mit wenig Komfort. Dann kam die Janome Cover Pro 3000, mit Deckstich, Nadeleinfädler, gutem Licht und noch einfacherem Wechsel bei den Zierstichen.
Und jetzt kommt eine Cover mit noch mehr Komfort, aber ohne Deckstich.
Ziernähte gehen ja aber trotzdem, wie sonst bei anderen normalen Covermaschinen auch. Von links. Der Greiferfaden wird also zur Dekoration verwendet.
Also sind wir einmal quer durch die Garnkiste gefahren und haben getestet.
Mit Stickgarn, Bauschgarn, Metallicgarn, Decora, Baumwollgarn usw.
Für eine schöne Naht auf der linken Seite mit eher kleinen Schlaufen von den Nadelfäden war schnell klar: Spannung an den Nadeln hoch, am Greifer runter. Aber weniger als 1 geht nicht. Da hilft nur ein kleines Zubehörteil: Die Dekofadenführung.
Aber dann lief es eigentlich wie am Schnürchen, ohne viel Veränderung.
Wir haben uns zwei Stoffstücke vorbereitet. Die Ziernähte sollten auf einer Lage French Terry in dunkelblau genäht werden. Wir wissen ja, dass man eigentlich nicht auf einer Lage Stoff covert, die Technik ist eben für zwei Lagen konstruiert. Also holen wir uns eine Lage dazu, einfach mit wasserlöslichem Vlies. Auf einem Probestück haben wir die Einstellungen überprüft und dann auf dem richtigen Teil genäht. Hier sieht man das Probestück vorne und da gibt es eine Naht, die es nicht auf das richtige Stück gebracht hat.
Madeira Glamour No. 8 mussten wir mit einer Schlinge einfädeln, weil es nicht durch die Lufteinfädelung gepustet wurde. Aber das war uns eigentlich schon klar, es ist halt schon sehr dick und auch rau.
Doch die Naht wurde auch nicht wirklich schön
Wir hätten das noch verbessern können, indem wir in den Nadeln einen hellgrauen Faden verwendet hätten, aber schlussendlich war uns das zu viel Aufwand für das Projekt, was wir da nähen wollten.
Wir sind jetzt keine Fans von megadicken und auffälligen Nähten. Daher kam als nächstes gleich Decora 6 dran und da war es noch schneller klar: Das geht nicht. Decora 6 geht auch mit Hilfsfaden nicht durch den Luftkanal.
Wer unbedingt mit so dicken Garnen arbeiten möchte, muss sich eine L890 holen, denn bei der kann man den Eingang des Luftkanals umgehen und dann ist auch das Covern mit Decora 6 und Glamour 8 möglich.
Wir haben auch mal drei Stickgarne gemischt. Eins auf dem Halter, eins auf dem Janome Schrägbandständer und eins auf dem Prym Konenhalter.
Nachdem wir längs alle Sorten mit drei Nadeln getestet hatten, haben wir nochmal mit zwei Nadeln schmal draübergenäht. Da hier der Abstand etwas größer sein sollte (vorher wars einfach die Nähfußkante), haben wir überlegt, was wir am besten als Orientierung verwenden.
Und in unserer Zubehörkiste hat sich sogar was gefunden: Die Quiltführungen vom Obertransportfuß Nr. 50. Die Halterung hinten am Nähfuß ist hier die gleich wie auch an den Nähmaschinen von Bernina. Die kleine Führung von der Nähmaschine hätte auch gepasst, sitzt allerdings für eine wirkliche Hilfe zu weit hinten.
Wer keinen OTF besitzt, kann sich dieses Zubehörteil auch einzeln für die Cover holen: Kantenführungslineal L620.
Beispiele aus dem Test
Hier ein paar Beispiele nach dem Auswaschen des Vlieses:
Das Messer
Wir waren schon kurz davor zu schreiben, dass das Messer nicht wirklich schneidet. Dann haben wir es aber erst mal herausgenommen und dann war klar, wir legen den Faden (für Bernina) in die falsche Richtung.
Wir ziehen ihn von hinten ein, aber die Klemme für die optimale Führung an die Klinge ist vorne. Also sollte man den Faden von vorne einlegen. Wir haben uns dann gefragt, wie wir auf die „falsche“ Richtung kommen. Von der Nähmaschine … Denn dort ist es sogar auf dem Messer aufgezeichnet, der Faden wird von hinten eingezogen.
Also an die L850 – da ist die Konstruktion identisch zur L620. Aber warum hat uns das dort nicht gestört? Weil wir den Abschneider an der Overlock kaum benutzen. Dort nehmen wir die Schere oder schneiden die Kette vorne am Messer.
Da hilft wohl nur ein Blick in die Bedienungsanleitung. Aber leider ist es auch dort nicht aufgeführt.
Reflektorgarn
Da wir ja nun viel Übung in Ziernähten hatten und es sich gezeigt hat, dass die Einstellung fast immer die gleiche ist, kam gleich noch ein Pulli mit dran:
Die Teilungsnähte an den Ärmeln wurden mit reflektierendem Garn gecovert. Ein toller Effekt, nur leider wird der Pulli nicht fertig. Die zukünftige Trägerin reagierte allergisch auf den Stoff.
Aber die Übungsnähte wurden zu mehreren Masken verarbeitet. Da auch das Probestück größtenteils schön war, wurden es sogar mehr, als geplant.
Damit ist die Testzeit mit der Bernina Cover erst mal beendet.
Unser Fazit:
Wir haben eigentlich nichts anderes erwartet. Es ist eine Bernina – was soll da schon schief gehen?
Die Bernina L620 ist eine Coverstich, die tut, was sie soll. Covern. Zuverlässig und auf vielen verschiedenen Stoffen, ohne dass man erst ewig an der Spannung rumstellen muss. Sie hat Komfortfunktionen, die man vorher nicht unbedingt gesucht hat, aber hinterher nicht mehr missen möchte. Der Geschwindigkeitsregler bremst einen da aus, so man es braucht. Die Transporteurversenkung steigert den praktischen Nutzen des Kniehebels. Einfädeln geht (an Greifer und Nadeln) so einfach, dass man sich fast schon auf das Wechseln freut.
Wir waren etwas irritiert vom Nähfußdruck, der ist wider Erwarten nicht stufenlos, sondern hat drei feste Stufen. Aber: Der Druck stand fast immer auf M und die Cover hat perfekt genäht. Und die paar Mal, wo wir das Gefühl hatten, es bräuchte mehr oder weniger Druck, hat es die andere Stufe auch optimal getan.
Unser Tipp ist als Zusatzkauf der Ausgleichsfuß. Vor allem dann, wenn man doch mal von links covern möchte.
Damit stellt sich in der Redaktion nun die abschließende Frage: Nimmt die L620 den Platz der bisherigen Cover (mit Deckstich) ein?

Bernina Coverstich L620 – Testbericht Teil 1

2 Antworten auf „Bernina L620 Cover im Test – Teil 2“
Die Maschine interessiert mich sehr, bisher bin ich mit der bernette b62 sehr zufrieden, bis auf den festen Nähfußhub! Wie hoch ist der Nähfußhub bei der L620?
Liebe Grüße
Ilse
Hallo!
In der BDA ist die maximale Stoffdicke mit 6 mm angegeben und das ist auch die Höhe, die man erreicht, wenn der Nähfuß mit dem Hebel auf oben gestellt wird. Zieht man den Hebel weiter nach oben, sind es 11 mm.
Viele Grüße,
das nähRatgeber-Team